Von Abbas Isaias

Wenn sich jemand vom Verderben entfernt, erkennt er genau alle Vergehen, die er Gott gegenüber begangen hat — er sieht ja die Vergehen nicht, wenn er sich nicht von ihnen getrennt hat in einer Trennung voller Bitterkeit. Jene, die so weit gelangt sind, haben das Weinen, die Bitte und die Beschämung vor dem Angesicht Gottes gefunden, indem sie ihrer bösen Liebschaften mit den Leidenschaften gedenken.

Kämpfen wir also nach Kräften, Brüder! Gott steht uns bei nach der Fülle seines Erbarmens. Und wenn wir unser Herz auch nicht bewahrt haben wie unsere Väter, so wollen wir doch unsere Kraft dareinsetzen, unseren Leib ohne Sünden zu bewahren, wie es Gott verlangt, und wollen vertrauen, daß er zur Stunde des Hungers, welche über uns gekommen ist, mit uns Erbarmen übt, wie er es auch mit seinen Heiligen getan hat.

Es muntert hier der große Vater die allzu Schwachen auf mit den Worten: „Wenn wir unser Herz auch nicht bewahrt haben wie unsere Väter, so wollen wir doch unseren Leib sündenlos bewahren, wie Gott es verlangt, und er übt auch mit uns Erbarmen.“ Groß ist das Mitleid dieses Vaters und seine Herablassung.

(Philokalie_4/Nikephoros )

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Vom heiligen Johannes Klimakos

Der Hesychast ist jemand, der das Unkörperliche in einem körperlichen Haus zu umgrenzen bemüht ist, was unglaublich scheint. Hesychast ist jener, der da sagte: „Ich schlafe, und mein Herz wacht.“

Schließ die Tür der Zelle für den Leib und die Tür der Zunge für das Wort; und im Innern das Tor für den Geist.

Auf der Höhe sitzend wache, wenn du es überhaupt verstehst, und dann sieh, wie, wann und woher wie viele und welche Diebe kommen, um einzudringen und die Trauben zu stehlen. Ist der Späher müde geworden, soll er aufstehen, beten, sich wieder niedersetzen und sich mannhaft an dieselbe Tätigkeit halten.

Eines ist die Beobachtung der Gedanken und etwas anderes die Bewachung des Geistes. Und wie sehr der Aufgang der Sonne entfernt ist von ihrem Untergang, so sehr ist die zweite von der ersten entfernt und mühevoller als sie. Wenn Diebe die königlichen Waffen an einem Ort stehen sehen, kommen sie nicht herzu, wie es ihnen gerade einfällt; genauso wird auch jener, der mit dem Herzen das Gebet verbunden hat, nicht von den geistigen Räubern bestohlen, wie es sich gerade ergibt.

Siehst du die Worte dieses großen Vaters, wie sie die wunderbare Tätigkeit verdeutlichen? Wir aber wandeln gleichsam in der Dunkelheit, treten wie in einem Nachtkampf auf den der Seele nützlichen Worten des Geistes herum, sind freiwillig blind und gehen darum daran vorüber. — Doch siehe ferner auch im folgenden, was uns die Väter alles darlegen, was uns zur Nüchternheit führen soll.

(Philokalie_4/Nikephoros)

Von Abbas Markos, an Nikolaos

Wenn du also, Kind, eine eigene Leuchte geistigen Lichts geistlicher Erkenntnis in deinem Innern erwerben willst, damit du in der tiefsten Nacht dieser Zeit einhergehen kannst, ohne anzustoßen, und damit gemäß dem Wort des Propheten vom Herrn deine Schritte (derart) gelenkt werden, daß du gar sehr deine Freude findest am Weg des Evangeliums — dies bedeutet, durch feurigen Glauben mit Verlangen und im Gebet der vollkommenen evangelischen Gebote des Herrn teilhaft zu werden —, so zeige ich dir einen wunderbaren Weg und ein Verfahren geistiger Art. Er bedarf nicht leiblicher Anstrengung oder Kampfesmühe, sondern benötigt seelische Arbeit, (Aufmerksamkeit) des Geistes und ein wachsames Denken und wird von Gottesfurcht und Gottesliebe unterstützt. Durch dieses Verfahren kannst du die Schlachtreihe der Feinde mühelos zurückwerfen.

Wenn du also wider die Leidenschaften den Sieg erringen willst, dann versenke dich durch Gebet und mit der Hilfe Gottes in dich selbst, dringe in die Tiefen deines Herzens ein, und spüre dann diese drei mächtigen Riesen auf — ich meine das Vergessen, die Leichtfertigkeit und die Unwissenheit, die Stütze der geistigen Heidenvölker. Durch diese (drei) sind die übrigen Leidenschaften der Lasterhaftigkeit rege tätig, leben und besitzen Kraft in den Herzen der Genußsüchtigen.

Und hast du durch große Wachsamkeit und Aufmerksamkeit des Geistes mit Hilfe der von oben stammenden Einwirkung jene (Übel) gefunden, die den meisten unbekannt sind, wirst du so unter viel Aufmerksamkeit und Gebet aus der Hand der bösen Riesen gerettet werden können. Wenn nämlich die harmonische Verbindung von wahrer Erkenntnis, dem Gedenken des Wortes Gottes und tüchtigem Eifer durch wirksame Gnade genötigt wird, sich in der Seele zu bilden, und sorgsam bewahrt wird, wird die Spur des Vergessens, der Unwissenheit und der Leichtfertigkeit im Herzen ausgetilgt.

Siehst du den Einklang der geistlichen Worte? Siehst du, wie sie die Kenntnis des Gebetes deutlich darstellen? Siehe nun auch, was die folgenden Autoren ihrerseits uns zu sagen haben.

(Philokalie_4/Nikephoros)

Aus dem Leben des Abbas Agathon

Ein Bruder fragte den Abbas Agathon und sagte: „Sag mir, Abbas, was ist größer: die leibliche Mühe oder die Bewachung des Innern?“
Und er sprach: „Der Mensch gleicht einem Baum; dabei ist die leibliche Mühe das Laub, die Bewachung des Innern hingegen ist die Frucht. Obschon also gemäß dem Schriftwort: ‚Ein jeder Baum, der keine gute Frucht trägt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen‘ all unsere Bemühung, d. h. die Bewachung des Geistes, offensichtlich um der Früchte willen geschieht, so ist dennoch auch der Schutz und der gute Zustand der Blätter nötig, worin die leibliche Mühe besteht.“

Es ist verwunderlich, wie sich dieser Heilige gegen alle äußerte, welche die Bewachung des Geistes nicht besitzen, und im Hinblick auf alle, die sich allein des praktischen Tugendlebens rühmen, sagte: „Ein jeder Baum, der keine Frucht trägt — nämlich die Bewachung des Geistes —, sondern allein Blätter hat — nämlich das praktische Tugendleben —, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen.“ Schaurig ist, Vater, dein Ausspruch!

(Philokalie_4/Nikephoros)

Aus dem Leben des heiligen Sabbas

Wenn der göttliche Sabbas indessen sah, daß jemand, der (der Welt) entsagt hatte, die Regel des mönchischen Lebens genau erlernt hatte, er bereits fähig war, seinen Geist zu bewachen sowie sich den gegnerischen Gedanken zu widersetzen, und zudem auch die Erinnerung an die weltlichen Dinge gänzlich aus dem Denken verbannt hatte, dann also überließ er ihm zwar auch in der Laura eine Zelle, wenn er dem Leib nach krank und schwächlich war. Gehörte er jedoch zu den Starken und Gesunden, gestattete er ihm auch den Bau einer Zelle (außerhalb).

Siehst du, wie auch der göttliche Sabbas von den Schülern die Bewachung des Geistes verlangte und ihnen dann eine Zelle übergab und gestattete, daß sie sich niedersetzten? Was sollen (dann) wir tun, die wir träge in der Zelle sitzen und nicht einmal wissen, ob es die Bewachung des Geistes gibt?

(Philokalie_4/Nikephoros)

Aus dem Leben des heiligen Paulos von Latros

Der göttliche Paulos indessen lebte fortwährend auf Bergen und in Einöden und hatte wilde Tiere als Nachbarn und Tischgenossen. Manchmal stieg er auch zur Laura hinab und wollte die Brüder besuchen. Er ermahnte und belehrte sie, nicht kleinmütig zu sein und auch nicht in den mühevollen Tugendwerken leichtfertig zu werden; vielmehr mit aller Aufmerksamkeit und Unterscheidung sich an den Lebenswandel nach dem Evangelium zu halten und beherzt wider die Geister der Bosheit zu kämpfen. Außerdem erklärte er ihnen auch den Weg, durch den sie fähig würden, sich die leidenschaftlichen eingesessenen Regungen abzugewöhnen und die Einflüsse der Leidenschaften von sich zu weisen.

Ei, wie lehrt dieser göttliche Vater die Schüler, welche ja unwissend waren, einen Weg, um mit ihm die Angriffe der Leidenschaften abzuwenden? Es war dies kein anderer als die Bewachung des Geistes. Ihr nämlich kommt dieses Ergebnis zu und keinem anderen. Doch soll die Rede fortfahren.

(Philokalie_4/Nikephoros)

Aus dem Leben des heiligen Arsenios

Auch dies wurde vom bewundernswerten Arsenios eingehalten, nämlich weder schriftliche Untersuchungen anzubieten noch zuzusenden. Nicht weil er dazu nicht imstande gewesen wäre — wie wäre dies auch möglich gewesen? Es war für ihn ja das rechte Reden ebenso leicht wie für andere das Reden schlechthin. Der Grund für das erwähnte Verhalten war vielmehr seine Gewohnheit zu schweigen sowie die Tatsache, daß ihm die Schaustellung lästig war.

Darum also bemühte er sich sowohl in der Kirche als auch in der Versammlung sehr darum, weder jemanden zu sehen noch von anderen erblickt zu werden. Er trachtete vielmehr danach, sich hinter eine Säule oder einen anderen Vorsprung zu stellen, sich ganz zu verstecken und sich ungesehen vor dem Umgang mit anderen zu verbergen. Er wollte nämlich auf sich selbst aufmerken, den Geist im Innern sammeln und sich auf diese Weise leicht zu Gott erheben.

Wiederum sammelt auch dieser göttliche Mann, der irdische Engel, seinen Geist nach innen, um sich dadurch mühelos zu Gott zu erheben.

(Philokalie_4/Nikephoros)