Die heilige Maria von Ägypten, Wüsten-Einsiedlerin und Büßerin (1. April)

Maria von Ägypten (ca. 344-421) –
Patronin ehemaliger Prostituierter –
Patronin gegen sexuelle Versuchungen.

Maria war ein schönes, verwöhntes und reiches Mädchen und Stolz der Familie.
Mit 12 riss sie von zu Hause aus und ging nach Alexandrien in Ägypten.
Dort war sie 17 Jahre lang Tänzerin, Sängerin und Prostituierte.

Maria von Ägypten

Das Leben unserer ehrwürdigen Mutter
MARIA VON ÄGYPTEN
(vom Heiligen Sophronios, Patriarchen von Jerusalem).

Nachdem er [Zosimas] 20 (anderen zufolge 8) Tage (in die Wüste) gegangen war, stellte er sich ein wenig abseits, wendete sich gegen Osten und sang die 6. Hora indem er die gebräuchlichen Gebete sagte; denn er machte bei jeder Hora eine kleine Unterbrechung in seiner Wanderschaft, für den Gesang und die Metanien. Als er einmal stand und sang, bemerkte er rechts einen Schatten, wie eines menschlichen Körpers. Zuerst erschrak er sehr, weil er dachte, es sei ein teuflisches Gespenst und zitterte. Er machte aber das Zeichen des Kreuzes, vergaß seinen Schrecken und wandte seine Augen nach Beendigung des Gebetes gen Süden, und sah jemand gehen, der nackt und von der Sonne schwarz gebrannt war, dessen Haare aber weiß wie Wogenschaum waren und bis zum Halse reichten. Als Zosimas das sah, ging er in die Richtung, wo er das gesehen und freute sich sehr, weil er diese Tage keine menschliche, nicht einmal eine tierische Gestalt gesehen hatte.

Als aber die Erscheinung den Zosimas von weitem kommen sah, begann sie in das Innere der Wüste zu eilen; Zosimas aber, indem er sein Alter und die Mühe des Weges vergaß, lief schnell, in dem Wunsche, das Laufende zu erreichen.

Dieses aber lief immer; der Lauf des Zosimas war aber schneller als der des Davon-eilenden. Als er schon so nahe war, daß er die Stimme hören konnte, begann Zosimas weinend zu schreien und sagte: Warum läufst du vor mir sündigem Greise fort, o Knecht des wahren Gottes, in dessen Namen du in dieser Wüste lebst? Warte auf mich Un- würdigen und Schwachen! Warte in der Hoffnung auf Belohnung für deine Tugenden. Steh still und gib mir, dem Greise, dein Gebet und deinen Segen um Gottes willen, der niemand verachtet.

Indem Zosimas dies unter Tränen redete, kam es ihm vor, als sei er schon ganz nahe gekommen, wo ein ausgetrockneter Bach zu sein schien. Als er aber zu der Stelle kam, ging das Laufende auf die andere Seite. Zosimas war müde und konnte nicht mehr laufen und blieb diesseits des Baches stehen, fügte Tränen zu seinen Tränen und Schreie zu seinen Schreien, so daß nichts mehr zu hören war als sein Heulen.

Darauf hauchte die laufende Stimme: Abba Zosimas, verzeihe mir um Gottes Willen, daß ich mich nicht zu dir wenden und mich von dir sehen lassen kann: ich bin ein Weib und, wie du siehst, nackt und die Scham meines Körpers habe ich unbedeckt. Wenn du aber willst mir sündigem Weibe dein Gebet und deinen Segen geben, so wirf mir etwas von deinen Kleidern zu, damit ich meine Blöße bedecken und zu dir gewendet dein Gebet und deinen Segen empfangen kann.

Da erfaßte Zosimas Furcht und Zittern, indem er sich bei Namen nennen hörte, obwohl sie ihn niemals gesehen und von ihm niemals gehört hatte. Und er sprach bei sich: Wenn diese nicht voraussehend wäre, könnte sie mich nicht bei Namen nennen. Und alsbald tat er, was sie ihm gesagt, nahm von sich das alte und zerrissene Kleid, welches er getragen und warf es ihr zu, indem er sein Gesicht abwandte. Sie aber nahm es und bedeckte den Teil ihres Körpers, welchen mehr als alle andern zu bedecken nötig war, gürtete sich und sprach zu Zosimas gewendet:

Warum gefällt es dir, Abba Zosimas, eine sündige Frau zu sehen?
Verlangst du etwa von mir etwas zu hören oder belehrt zu werden, daß du nicht gescheut hast, solche Mühe auf dich zu nehmen?

Er aber, auf die Erde sich hinstreckend, bat um ihren Segen; ebenso streckte auch sie sich nieder und beide lagen auf der Erde, einander um den Segen bittend, sodaß nichts von beiden zu hören war, als nur das Wort: Segne!

Nach einer langen Zeit sagte die Frau zu Zosimas: Abba Zosimas, dir gebührt es, zu segnen und Gebete zu vollziehen, denn du bist mit der Würde eines Presbyters geehrt und seit mehreren Jahren bringst du vor dem heiligen Altar stehend die göttlichen Gaben dem Herrn dar.

Diese Worte versetzten den Zosimas in noch größere Angst und von dieser ergriffen sprach er weinend und seufzend, mit schwerem, stockendem Atem zu ihr: O geistliche Mutter, du hast dich Gott genaht und dich abgetötet, was die in dir mehr als in anderen befindliche von Gott geschenkte Gabe beweist, daß du mich bei Namen und Presbyter nanntest, mich, den du niemals zuvor gesehen; deswegen segne lieber selbst, um des Herrn willen, und gib das Gebet dem, der es von deiner Vollkommenheit fordert.

Nachgebend der inständigen Bitte sprach sie: Gesegnet ist Gott, der da will, daß die menschlichen Seelen gerettet werden. Nachdem Zosimas AMEN gesagt hatte, standen beide von der Erde auf. Sie sagte zu ihm:
Weshalb bist du zu mir Sünderin gekommen, o Mensch Gottes?
Weshalb wünschtest du eine Frau, nackend und keine Tugend besitzend, zu sehen?
Aber die Gnade des Heiligen Geistes hat dich unterwiesen, damit du könntest einen Dienst erweisen meinem Leibe zur nötigen Zeit. Sage mir, Vater, wie leben jetzt die Christen, die Könige und heiligen Kirchen?

Zosimas antwortete: die Christen, die Könige und heiligen Kirchen haben durch eure heiligen Gebete von Gott starken Frieden erhalten; doch nimm an das Flehen eines Unwürdigen und bete um des Herrn willen für die ganze Welt und für mich Sünder, damit nicht vergeblich werde diese meine Wanderung durch die Wüste.

Sie sagte zu ihm: Dir gebührt mehr, Vater Zosimas, der du das heilige Amt hast, für mich und für alle zu beten; hierzu bist du eingesetzt. Aber weil wir immer Gehorsam erweisen müssen, so tue ich das von Dir Befohlene.

Dies sagend, begann sie still zu beten, sich gen Osten wendend und Augen und Hände emporhebend, so daß keine Worte zu hören waren und Zosimas nichts vernahm, sondern, wie er gesagt, mit Ehrfurcht zur Erde sehend, dastand und sich nicht rührte. Er erzählte, Gott als Zeugen anrufend, daß – als er während ihres Gebetes ein wenig seine zur Erde blickenden Augen erhoben hatte, er gesehen habe, wie sie beim Gebet eine halbe Armlänge sich vom Erdboden erhoben und in der Luft stehend gebetet habe. Dies aber sehend, warf sich Zosimas von größter Angst ergriffen zur Erde nieder, weinend und nichts sprechend, als: Herr, erbarme dich!

Indem er auf der Erde lag, war er beunruhigt, durch den Gedanken, ob es nicht ein Gespenst oder ein Geist sei, der nur scheinbar bete. Sie aber wandte sich, hob ihn auf und sagte: Warum, Vater Zosimas, beunruhigen dich solche Gedanken über ein Gespenst, als sei ich ein Geist und heuchle ein Gebet. Ach, ich bitte dich, seliger Vater, wisse, daß ich Weib eine Sünderin bin, aber durch die heilige Taufe umschirmt und nicht ein gespenstischer Geist, sondern Erde, Staub und Asche und jedenfalls Fleisch, welches niemals etwas Geistliches gedacht. Und dies sagend, bezeichnete sie mit dem Kreuzeszeichen ihre Stirn, Augen, Mund und Brust, und sprach: Vater Zosimas, möge Gott uns vom Teufel und seinen Netzen erlösen: denn groß ist sein Kampf gegen uns!

Dies sehend und hörend sprach Zosimas zu ihren Füßen niederfallend unterTränen: Ich beschwöre dich im Namen unseres Herrn Jesu Christi, des wahren Gottes, geboren von der Jungfrau, um dessentwillen du diese Nacktheit trägst, um dessentwillen du dein Fleisch so abgetötet hast, verhehle nicht vor mir dein Leben, sondern sage mir alles, damit du die Großtaten Gottes offenbaren möchtest. Sage mir um Gottes willen alles, nicht des Lobes wegen, sondern um mir Sünder Kunde zu geben über dich. Denn ich glaube, daß ich von meinem Gott, den du lobst, deswegen in die Wüste geführt worden bin, damit Gott alles das Deinige offenbar mache; denn ist keine Kraft in uns, der Vorsehung Gottes zu widerstehen. Wenn es nicht Christum gefallen hätte, daß du und deine Tugenden bekannt würden, hätte er dich mir nicht gezeigt und mich nicht zu solchem Wege gestärkt, der ich niemals meine Zelle verlassen konnte noch wollte.

Nachdem Zosimas dies und mehreres anderes gesagt hatte, hob sie ihn auf und sagte zu ihm: Ich schäme mich, Vater, verzeihe mir, daß ich dir die Schande meiner Taten sage, aber wenn du meinen Leib schon nackend gesehen hast, so entblöße ich dir auch meine Taten, damit du wissest, von welcher Scham und Schande meine Seele erfüllt ist. Nicht meines Lobens willen, wie du mir selbst gesagt, werde ich dir über mich bekennen. Denn womit soll ich mich loben, die ich einst ein auserwähltes Gefäß des Teufels war? Wenn ich die Erzählung von mir anfange, wirst du laufen von mir, wie jemand vor einer Schlange fortläuft, nicht ertragend, mit den Ohren zu hören das Unstatthafte, was ich Unwürdige getan. Ich werde sprechen, ohne etwas zu verschweigen, aber ich bitte dich zuerst, daß du nicht aufhören mögest für mich zu bitten, damit ich Gnade finde am letzten Tage. Indem der Mönch ihr Leben wissen wollte und unaufhörlich weinte, begann sie folgendes über sich zu erzählen:

Ich, o Vater, bin geboren in Ägypten.
Als ich zwölf Jahre alt war und meine Eltern noch lebten, habe ich mich getrennt von ihrer Liebe und bin nach Alexandrien gegangen und wie ich zuerst meine Jungfräulichkeit verlor und anfing zügellosem und unersättlichem Liebesgenuß mich hinzugeben, schäme ich mich nicht nur auszusprechen, sondern zu denken. Deswegen sage ich lieber das Notwendigste, damit du die Zügellosigkeit meines Fleisches erkennst.

Siebzehn Jahre und mehr bin ich eine Volksbuhlerin gewesen, nicht um Geschenke oder Lohn, den ich von den mir Spendenden nicht annehmen wollte. Dieses erdachte ich, damit ich erwerben möchte mehrere umsonst zu mir Kommende und befriedigen möchte meine fleischliche Begierde. Denke nicht von mir, daß ich reich war und nicht nackt: ich lebte in Armut und habe oftmals hungrig groben Flachs gesponnen und unersättliche Brunst gehabt, immer im Schilf der Buhlerei mich zu wälzen. Denn ich dachte, daß das Leben darin bestehe, immer zu machen die Schändlichkeiten der Natur. So lebend sah ich in einer Erntezeit viele Männer aus Lybien und Ägypten, die zum Meere gingen und fragte einen, der zu mir gekommen war, wohin gehen diese Männer so eifrig? Er aber antwortete mir: nach Jerusalem, wegen der Erhöhung des ehrwürdigen und lebendigmachenden Kreuzes, welche in einigen Tagen gefeiert wird. Und ich sprach zu ihm: werden jene auch mich mitnehmen, wenn ich mit ihnen fahren will? Er aber sagte: Wenn du den Fahrpreis und das Essen hast, so wird es dir keiner verbieten. Da sagte ich ihm: Bruder – ich habe weder Fahrgeld noch Essen. Ich gebe ihnen meinen Leib dafür. Deswegen wollte ich mit ihnen gehen, Vater, verzeihe mir, um mehrere Pfleger meiner Leidenschaften zu haben. Ich habe dir, Vater Zosimas, gesagt, zwinge mich nicht meine Schande auszusprechen. Denn Gott weiß, ich habe Angst, daß ich selbst die Luft durch mein Wort verunreinige.

Zosimas, die Erde mit seinen Tränen sättigend, antwortete ihr: Sprich, um Gottes willen, o meine Mutter, und höre nicht auf mit dieser mir nützlichen Erzählung.

Da fügte sie zu dem ersten noch folgendes hinzu: nachdem dieser Jüngling meine schamlosen Worte gehört hatte, ging er lächelnd fort. Ich aber, die Spindel fortwerfend, die ich bei mir trug, eilte zum Meer, wo ich die Kommenden gesehen hatte, und bemerkte einige an der See Stehende, etwa zehn oder mehr junge Männer, die meiner Begierde gefielen. Einige waren schon früher in das Schiff gekommen, und ich, meiner Gewohnheit gemäß, hüpfte schamlos zu ihnen hin und sprach: nehmet auch mich mit, wohin ihr geht. Ich werde euch nicht ungefällig sein. Und einige andere unsaubere Worte sprechend bewegte ich alle zum Lachen. Und sie, meine Schamlosigkeit sehend, nahmen mich in ihr Schiff auf und wir fingen von dort aus unsere Fahrt an. Und wie es damals war, wie kann ich dir das bekennen, o Mensch Gottes? Welche Zunge kann sagen oder weIches Ohr kann hören meine unterwegs im Schiff geschehenen bösen Taten? Wie ich Unglückselige auch die Widerstrebenden zur Sünde beredete? Es gibt keine Art von Unsittlichkeit, nennbarer und unnennbarer, in der ich damals nicht Meisterin war. Glaube mir, ich bin erstaunt, wie das Meer meine Unzucht zu tragen vermochte. Ich begreife nicht, daß die Erde nicht ihren Rachen öffnete, um mich lebendig in den Hades zu versenken. Mich, die ich so viele Seelen für den Tod gefangen habe: Ich denke aber, daß Gott, meine Bekehrung suchend, nicht wollte, daß der Sünder sterbe, sondern mit großem Verlangen meiner Bekehrung harrte.

Auf diese Weise und mit großem Eifer kam ich nach Jerusalem und einige Tage vor dem Feste dort weilend tat ich den ersten gleiche Werke, sogar noch schlimmere, mich mit den Jünglingen, welche mit mir im Schiffe gefahren waren, nicht begnügend, lud ich zu der Sünde auch viele andere Einwohner und Pilger ein. Als aber das Fest der Heiligen Kreuzeserhöhung begann, ging ich, wie früher, umher, um die Seelen der Jünglinge zu fangen. Sehr früh aber sah ich alle gemeinsam in die Kirche gehen; da ging auch ich mit ihnen und kam mit ihnen in die Vorhalle der Kirche, und als der Augenblick der Erhöhung des Kreuzes kam, suchte ich auch mit dem Volke in die Kirche einzudringen, wurde aber immer wieder verdrängt und zurückgestoßen.

Unter Gedränge und mit großer Mühe nahte ich Unglückselige mich auch der Tür der Kirche; als ich aber die Schwelle der Tür betrat, gingen alle übrigen ohne Widerstand in die Kirche, mir aber wehrte eine göttliche Macht einzutreten; und wieder es versuchend ward ich wieder zurückgestoßen in die Vorhalle, allein zurückgedrängt. Dort aber stehend dachte ich mir, daß das alles wegen meiner weiblichen Schwäche mit mir geschehe. Mich wieder mit den übrigen vereinigend versuchte ich einzutreten, aber immer vergeblich; sobald mein sündiger Fuß die Schwelle berührte, nahm die Kirche, welche anderen nicht wehrte, mich allein nicht auf. Als ob eine Schar von Kriegern sich versammelt hätte, um mir den Eintritt zu wehren, so stieß mich eine unbekannte plötzliche Kraft immer wieder zurück, und wieder befand ich mich in der Vorhalle.

Dieses drei- bis viermal erduldend, mich mühend und nichts erreichend, ermüdete ich und konnte mich deshalb nicht mehr den Eintretenden anschließen. Hierbei ward auch mein Körper sehr ermüdet.

Mit großer Beschämung und hoffnungslos trat ich zurück und stellte mich in einen Winkel der Vorhalle. Als ich mich ein wenig erholt hatte, fragte ich mich, welche mir anhaftende Schuld mir den Zutritt zu dem lebendigmachenden Kreuze wehrte.

Endlich traf die Augen meines Herzens das Licht der erlösenden Wahrheit. Gottes herrliches Gebot, die Augen der Seele erleuchtend, mir zeigend, daß der Sumpf meiner Taten mir den Eintritt in die Kirche wehre. Da begann ich zu weinen und zu schluchzen und an die Brust zu schlagen, seufzend aus der Tiefe meines Herzens.

So weinend auf der Stelle wo ich stand, bemerkte ich vor mir oben an der Wand ein Bild der heiligen Gottesmutter und sprach zu ihr, meine Augen nicht abwendend und sie im Geiste vor mir sehend:

O Jungfrau, Gebieterin, die Du Gott, das Wort, im Fleische geboren hast! Ich weiß wahrhaftig, daß es Dir nicht angenehm noch lobwürdig ist, daß ich unreine und schlechte Buhlerin Dein heiliges Bild betrachte, Dich, allheilige Immerjungfrau Maria, die Du Körper und Seele rein und unbefleckt hast! So geziemt es sich auch mir, der Buhlerin, verhaßt und verächtlich zu sein Deiner jungfräulichen Reinheit. Aber da ich hörte, daß der Gott, den Du geboren hast, deshalb Mensch geworden ist, um die Sünder zur Buße zu rufen, so hilf mir, der Alleinstehenden, die ich keine Hilfe habe! Befiehl, daß auch mir der Zutritt zur Kirche unverwehrt sei und beraube mich nicht des Anblicks des ehrwürdigen Baumes, an welchem der Körper des von Dir geborenen Gottes geheftet ward, der sein Blut für meine Erlösung gab. Befiehl, o Gebieterin, daß auch für mich die Tür sich öffne zur Anbetung des göttlichen Kreuzes und sei mir sicherste Bürgin bei dem von Dir Geborenen, denn von jetzt an will ich meinen Körper durch keine Art unreiner Unzucht mehr beflecken; sondern, wenn ich das Heilige Kreuzesholz Deines Sohnes sehe, entsage ich der Welt und allem was in der Welt ist und gehe hinaus, wohin Du als Bürgin meines Heiles mir zeigst.

Dies sagend, und als ob ich eine Verheißung empfangen hätte, entflammt in Glauben und befestigt in der Hoffnung auf die Barmherzigkeit der Gottesgebärerin, bewegte ich mich von der Stelle auf der ich gebetet hatte und schloß mich wieder an die an, welche in die Kirche hineingingen. Niemand war da, der mich abgewehrt oder mich an der Tür gehindert hätte in die Kirche einzutreten. Aber Furcht ergriff mich und ich zitterte, und nachdem ich die Tür erreicht hatte, welche bisher für mich geschlossen war, trat ich ohne Mühe ein in das Innere der Kirche „Aller Heiligen“ und ward gewürdigt das Holz des Allerehrwürdigsten und Lebendigmachenden Kreuzes zu sehen und sah die Geheimnisse Gottes und wie er bereit ist, den Büßenden anzunehmen.

Niedergestreckt zur Erde betete ich das allerehrwürdigste Kreuz an, küßte es in Furcht und trat hinaus, um mich meiner Bürgin zu nahen. Angekommen an der Stelle, wo die Handschrift meiner Bürgin war, ihr heiliges Bild, und vor ihr kniend sprach ich:

O Du ewigseligste Jungfrau, Gebieterin, Gottesgebärerin, Du zeigst mir Deine gütige Menschenliebe an, Du verabscheust meine unwürdigen Gebete nicht: denn ich habe gesehen die Herrlichkeit, die in Wirklichkeit mir, der Sünderin, nicht zu sehen gebührte. Ehre sei Gott, der um Deinetwillen die Buße der Sünder annimmt! Was habe ich Sünderin noch mehr zu denken oder zu sagen? Es ist schon Zeit, o Gebieterin, zu erfüllen, was ich für Deine Bürgschaft versprochen. Nun unterweise mich, wohin Du willst. Nun sei mir Lehrerin in dem Übrigen, was zu meinem Heile dient, mich unterweisend auf dem Wege der Buße.

Indem ich also sprach, hörte ich aus der Ferne eine Stimme, die zu mir sprach: Wenn du über den Jordan gehst, findest du gute Ruhe. Nachdem ich diese Stimme gehört und mich überzeugt hatte, daß sie mir galt, rief ich unter Tränen, auf das Bild der Gottesgebärerin blickend: Gebieterin, Gebieterin, Gottesgebärerin, verlasse mich nicht!

Nach diesem Ausrufe trat ich aus der Vorhalle der Kirche hinaus und ging schnell. Jemand, der mich gehen sah, gab mir drei Zate mit den Worten: Nimm dies an, Mutter, – ich nahm das Geld an und kaufte dafür drei Brote und fragte bei dem Brotverkäufer nach dem Wege zum Jordan. Nachdem ich unter Tränen durch das Stadttor gegangen war, fragte ich Leute, die mir begegneten, nach dem weiteren Wege und wanderte den ganzen Tag über. Es war um die dritte Stunde des Tages, als ich gewürdigt ward, das Kreuz Christi zu sehen, und als die Sonne schon im Westen sich zum Untergang neigte, war ich an der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers, welche am Jordan steht, angelangt.

Nachdem ich in diesem heiligen Wasser Arme und Gesicht gewaschen und in der Kirche gebetet hatte, ging ich und empfing die heiligen und lebendigmachenden Geheimnisse Christi. Darauf aß ich die Hälfte von einem der Brote, trank Wasser aus dem Jordan und schlief die Nacht auf dem bloßen Boden. Am andern Tage früh fand ich einen kleinen Kahn, auf welchem ich nach dem anderen Ufer des Jordans übersetzte, wo ich wieder meine Lehrerin, die Gottesgebärerin, anflehte, mir zu zeigen, wo es ihr gefiele, daß ich bleiben sollte.  Ich kam in diese Wüste, und seit dieser Zeit entfernte ich mich eilend und nahm Wohnung, harrend Gottes, der mich rettet aus Kleinmütigkeit und Sturm, mich, die sich zu Ihm wendet.

Zosimas aber sagte zu ihr:
Wieviele Jahre, o Gebieterin, hast du in dieser Wüste gesiedelt? –
Siebzehn Jahre zähle ich von der Zeit, da ich von der heiligen Stadt ausging.
Zosimas sagte:
Und wo findest du Nahrung, meine Gebieterin?
Sie sprach: Ein Drittel des Brotes welches ich mitbrachte beim Übergang über den Jordan ist allmählich trocken geworden und versteinert. Dieses habe ich allmählich, davon eine Reihe von Jahren essend, jetzt aufgezehrt.
Zosimas sagte:
Wie bist du eine so lange Zeit ohne Betrübnis geblieben, ohne daß eine feindliche Verlockung dich versucht hätte?
Sie antwortete:
Du hast mich gefragt, Vater Zosimas, nach Sachen, die ich fürchte zu erzählen. Denn wenn ich mich erinnere an das viele Elend, das ich erduldet habe, und welch böse Gedanken mich irre machen wollten, dann fürchte ich, ich möchte wieder von ihnen erfaßt werden.
Da sagte Zosimas zu ihr:
Unterlasse nichts, o meine Gebieterin mir zu verkündigen; ich habe dich darum gebeten, daß du mir alles ausführlich erzählst.

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Sie aber sprach zu ihm:
Schenke mir Glauben, Vater Zosimas. Siebzehn Jahre habe ich in dieser Wüste mit meinen Leidenschaften wie mit wilden Tieren gekämpft. Wenn ich anfing zu essen, so wünschte ich immer Fleisch und Fische, wie es in Ägypten gewesen; ich wollte auch Wein trinken, wie ich es liebte. Denn ich hatte viel Wein getrunken solange ich in der Welt lebte. Hier aber hatte ich manchmal nicht Wasser, brannte vor Durst und litt sehr. Ich hatte auch Lust unzüchtige Lieder zu singen, die mich sehr beunruhigte und drängte, die dämonischen Lieder zu singen, die ich gewöhnt war; sofort weinend und mich an die Brust schlagend erinnerte ich mich der Gelübde, welche ich getan hatte beim Einzug in diese Wüste. Ich war in meinen Gedanken vor dem Bilde der allerreinsten Gottesgebärerin, meiner Bürgin, und vor ihr weinte ich und bat sie, fern von mir zu verscheuchen die Gedanken, die meine unglückliche Seele versuchten. Als ich aber genug geweint und eifrig an meine Brust geschlagen hatte, da sah ich ein Licht, welches von allen Seiten mich umfaßte und es trat eine Ruhe ein, welche mich von diesen Beängstigungen befreite. Die mich wieder erfassenden lüsternen Gedanken, wie kann ich sie dir bekennen, verzeihe: denn Feuer loderte auf von allen Seiten und versuchte mich zur Sünde. Wenn aber eine solche Versuchung an mich kam, dann warf ich mich auf die Erde und weinte, dachte an meine mir beistehende Bürgin, die meine Übertretung richtet und drohend auf die dafür bestimmte Qual hinweist. Und ich stand Tag und Nacht nicht von der Erde auf, bis jenes süße Licht mir erstrahlte und die mich beunruhigenden Gedanken verjagte. Meine Augen erhob ich zu meiner Bürgin, unaufhörlich bittend mir, der in der Wüste leidenden, zu helfen, und ich hatte sie wirklich als Helferin und Mitwirkerin zur Buße. Und diese unzählbaren Leiden habe ich siebzehn Jahre hindurch ertragen. Von dieser Zeit bis jetzt hat meine Helferin, die Gottesgebärerin, mich in allem zu allem geführt.

Da sagte Zosimas zu ihr:
Hast du etwas an Nahrung und Bekleidung gebraucht?
Sie antwortete: Nachdem ich im Laufe dieser siebzehn Jahre meine Brote verzehrt hatte, nährte ich mich von den in der Wüste wachsenden Kräutern, die Bekleidung, welche ich beim Übergang über den Jordan hatte, war vor Alter zerfallen, und ich duldete große Qual durch Hitze und Kälte, im Sommer glühend und im Winter frierend, oftmals sogar wie entseelt und bewegungslos zur Erde niederstürzend und mit vielen anderen Nöten und maßlosen Versuchungen umdrängt.

Von da an bis jetzt aber hat die mannigfaltige Macht Gottes meine sündige Seele und meinen demütigen Leib bewahrt. Wenn ich nur daran denke, aus welchem Elend Gott mich errettet hat, so habe ich erworben unerschöpfliche Nahrung – die Hoffnung meines Heils. Ich nähre mich und bedecke mich mit dem Wort Gottes, der alles erhält; denn nicht allein durch Brot wird der Mensch bekleidet; insofern sie frei wurden von der Decke der Sünde haben sich die, welche keine Decke hatten, mit Steinen bekleidet.

Nachdem Zosimas gehört, daß sie auch die Worte Mose, der Propheten und die Psalmen erinnerte, sagte er zu ihr:
Hast du, Gebieterin, auch die Psalmen und andere Bücher gelernt?
Dies hörend lächelte sie und sagte zu ihm:
Glaube, o Mensch, ich habe nach meinem Übergang über den Jordan keines anderen Menschen Angesicht außer dem deinen gesehen, nicht einmal ein wildes Tier oder ein sonstiges Vieh. Bücher habe ich nicht gelesen und niemals lesen oder singen hören; das lebendige und wirksame Wort Gottes aber belehrt den Verstand des Menschen. Hier aber ist das Ende meiner Geschichte.

Jetzt nun beschwöre ich dich durch die Fleischwerdung des Wortes Gottes, bete für mich Sünderin.

Nach diesen Worten wollte der Mönch vor ihr niederfallen und sprach mit Tränen:
Gelobt sei Gott, der Großes und Schreckliches tut, unaussprechlich Wunderbares und Herrliches, dessen keine Zahl ist! Gelobt der Gott, der mir gezeigt hat, was er denen gibt, die ihn fürchten. Wahrlich, du verlässest die Suchenden nicht, o Herr.

Sie aber, ihn aufhaltend, ließ ihn nicht vollständig sich verbeugen und sagte zu ihm:
all dies, o Vater, ich beschwöre dich durch Jesum Christum den Gott unsern Heiland, sage es niemand, bis Gott mich von der Erde nehmen wird. Jetzt aber ziehe hin in Frieden und komme wieder, mich zu sehen, nächstes Jahr, in dem Gottes Gnade uns behütet. Tue es um des Herrn willen, was ich dir jetzt sage mit der Bitte:
In der Fastenzeit des nächsten Jahres überschreite nicht den Jordan, wie in den Klöstern üblich ist.

Zosimas -Maria v. Ägypten, geistl. Speise_2

Es wunderte sich aber Zosimas, als er vernahm, daß sie auch den klösterlichen Brauch kannte; er sagte aber nichts, als daß er Gott pries, der so großes gibt denen, die ihn lieben.
Sie fuhr fort:
Bleibe, wie ich dir gesagt habe, Vater, im Kloster; denn wenn du auch wolltest hinausgehen, es würde dir unmöglich sein. Am Heiligen und Großen Donnerstag, welcher an das geheimnisvolle Abendmahl Christi erinnert, nimm etwas von dem lebendigmachenden Leib und Blut Christi in ein heiliges Gefäß, würdig eines solchen Geheimnisses, bringe es mit und erwarte mich auf jener Seite des Jordans, welche nahe ist dem Dorfe, damit ich komme und die heiligen Gaben empfangen möge. Denn von der Zeit, da ich vor meinem Übergang über den Jordan in der Kirche des Vorläufers das heilige Abendmahl empfangen, habe ich mich inbrünstig danach gesehnt, habe aber bis jetzt dieses Heiligtum nicht bekommen.

Jetzt aber bitte ich dich, verachte nicht mein Flehen und bringe mir das lebendigmachende göttliche Sakrament zu der Zeit, da der Herr seine Jünger zu Teilnehmern seines göttlichen Abendmahles gemacht. Dem Johannes, dem Igumenos des Klosters in dem du wohnst, sage: Habe Acht auf dich und deine Herde, denn dort geschieht etwas, das Besserung fordert. Aber ich will, daß du es ihm nicht jetzt sagst, sondern wenn der Herr es dir befiehlt.

Dies sagend und Gebete für sich von Zosimas erflehend, begab sie sich in das Innere der Wüste.

Zosimas aber, sich bis zur Erde verbeugend, küßte die Stelle, auf der ihre Füße gestanden, Gott lobend, und kehrte zurück, lobend und preisend Christum unseren Gott. Durch die Wüste gehend kam er zum Kloster an dem Tage, als die dort wohnenden Brüder zurückkehrten. Und dieses Jahr schwieg er über alles, was er gesehen, da er niemand etwas sagen durfte, bei sich aber Gott bittend, ihn das ersehnte Angesicht wieder sehen zu lassen. Denn er war traurig und ungeduldig, wenn er dachte, an die Länge des Jahres und wünschte, daß dieses Jahr nicht länger als ein Tag sein möchte, wenn es möglich sei.

Als die erste Woche der Großen Fastenzeit kam, gingen nach Sitte und Gebrauch des Klosters alle anderen Brüder nach vollzogenem Gebet mit Gesang in die Wüste. Zosimas aber war krank und sollte deswegen im Kloster bleiben. Dabei erinnerte er sich an die Ehrwürdige, die gesagt hatte: wenn du auch wolltest aus dem Kloster ausgehen, es würde dir nicht möglich sein. Nach einigen Tagen genas er von seiner Krankheit und blieb im Kloster. Nach Rückkehr der Brüder, als der Tag des geheimnisvollen Abendmahls Christi herangekommen war, tat Zosimas, was ihm auferlegt war: „Lege in einen Kelch von dem allerreinsten Leib und Blut unseres Heilandes.“ Legte auch in die Tasche etwas von getrockneten Feigen und Datteln und etwas in Wasser gequollene Hülsenfrüchte, ging spät abends hinaus und setzte sich an das Ufer des Jordans, der Ehrwürdigen harrend. Als die Heilige zögerte, schlief Zosimas nicht ein, sondern blickte eifrig nach der Wüste, von woher die innig Ersehnte kommen mußte. Er sprach auch bei sich, sitzend, ob vielleicht eine Unwürdigkeit seinerseits sie gehindert habe zu kommen, oder ob sie etwa schon gekommen war und, da sie ihn nicht fand, zurückkehrte? Indem er also dachte, seufzte er und weinte und die Augen zum Himmel hebend betete er zu Gott mit den Worten: Verstoße mich nicht, o Gebieter, damit ich wieder sehen möge das Angesicht derjenigen, die zu sehen du mich einmal gewürdigt hast; damit ich nicht leer fortgehe, tragend meine Sünde, mir zum Vorwurf. In dieser Weise unter Tränen betend, kam er auf andere Gedanken: Was geschieht, wenn sie kommt und kein Schiff da ist; wie überschreitet sie den Jordan und kommt zu mir Unwürdigem? O weh über meine Unwürdigkeit! Weh mir, wer hat verursacht, daß ich eines solchen Gutes entbehre? Indem er so dachte, kam die Ehrwürdige und stand auf der anderen Seite des Flusses. Zosimas stand auf, sich freuend und Gott preisend und noch in Gedanken zweifelnd, ob sie über den Jordan kommen könne. Da sah er, wie sie das Kreuzeszeichen über den Jordan machte (die ganze Nacht war Mondschein) und – sich immer bekreuzend – auf das Wasser trat und über dasselbe zu ihm dahinschritt.

Zosimas -Maria v. Ägypten, Gang über den Fluß

Er wollte sich vor ihr verbeugen, sie aber verbot es ihm indem sie, noch über das Wasser gehend, sprach: Was tust du, Vater, du bist ja Priester und trägst die göttlichen Geheimnisse! Er gehorchte; sie aber trat ans Land und sprach zu ihm: Segne, Vater, segne! Er antwortete ihr zitternd (denn er war sehr erschrocken über die wunderbare Erscheinung): Fürwahr, Gott ist untrüglich indem er verspricht, diejenigen sich ähnlich zu machen, die sich selbst reinigen; Ehre sei dir, o Christos unser Gott, der du mir durch diese deine Dienerin gezeigt hast, wie weit ich von der Vollkommenheit entfernt bin! Da er dieses sagte, bat sie ihn, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn zu sagen und nach dem die Gebete vollendet waren, empfing die Heilige die Mitteilung der heiligen und göttlichen Geheimnisse Christi und küßte, wie üblich, den Mönch.

Dann, die Hände erhebend, seufzend und weinend rief sie aus:
Nun entlässest du deine Magd nach deinem Worte in Frieden, o Gebieter, denn meine Augen haben dein Heil gesehen!
Und sie sprach zu Zosimas:
Verzeih, Vater Zosimas, und erfülle noch meinen ferneren Wunsch: kehre heute noch in dein gottgeschütztes Kloster zurück. Künftiges Jahr aber komme wieder zu dem Bache, an dem wir uns zuerst sprachen. Komm um Gottes willen und du wirst mich wieder sehen, weil Gott es so will.
Er aber antwortete ihr:
Ich wünschte, wenn es möglich wäre, dir zu folgen und immer dein ehrwürdiges Angesicht zu sehen; ich bitte dich aber eines zu erfüllen: Genieße ein wenig von der Nahrung, die ich mitgebracht habe.

Dies sagend zeigte er ihr, was er in der Tasche mitgebracht hatte. Sie berührte die Hülsenfrüchte mit den Fingerspitzen und nahm drei Körner, welche sie in ihren Mund legte, und sagte: So ziemt es sich der geistlichen Gnade, welche das Wesen der Seele unbefleckt bewahrt.
Und wieder sprach sie zu ihm:
Bete zu Gott für mich, o mein Vater, bete, meiner Unseligkeit gedenkend, er aber fiel ihr zu Füßen und bat sie, daß sie zu Gott für die Kirche, die Könige und für ihn beten möge.
Nachdem er sie um dies unter Tränen gebeten hatte, ließ er seufzend und schluchzend geschehen daß sie ging. Er durfte sie nicht länger zurückhalten; wenn er gewollt hätte, sie hätte sich nicht halten lassen. Und sie bekreuzte sich wieder, desgleichen auch den Jordan, und schritt, wie vorher, über die Wasserfläche dahin.
Zosimas aber kehrte zurück, beherrscht von Furcht und Freude, bereuend und sich Vorwürfe machend, daß ernicht nach dem Namen der Ehrwürdigen gefragt hatte. Dennoch hoffte er denselben künftiges Jahr zu erfahren.

Nachdem ein Jahr dahingegangen war, ging Zosimas wieder in die Wüste, erfüllte alles, wie vorgeschrieben und harrte der wunderbaren Erscheinung. Nachdem er die Wüste durchschritten hatte, erblickte er einige Kennzeichen, welche die gesuchte Stelle erkennen ließen und sah sich rechts und links um, und suchte überall mit den Augen, wie ein geschickter Jäger nach der Jagdbeute ausblickt. Nirgend aber etwas das sich bewegte sehend, begann er zu weinen, richtete die Augen nach oben, betete zu Gott und sprach: Zeige mir, Gott, deinen wunderbaren unentwendbaren Schatz, den du in dieser Wüste verborgen hast. Zeige mir, ich flehe zu dir, den Engel im Fleische, dem man die ganze Welt nicht vergleichen kann.

So betend kam er zu der Stelle, wo der Bach war und stellte sich an das Ufer und sah gegen Osten die Ehrwürdige tot daliegen, die Hände, wie sich gebührt, zusammengelegt, mit nach Morgen gerichtetem Gesicht.

Er nahte sich ihr und benetzte die seligen Füße mit seinen Tränen, nicht wagend einen anderen Teil ihres Körpers zu berühren. Viel weinend und die bei dieser Gelegenheit üblichen Psalmen hersagend, vollzog er die Begräbnisgebete, sagte aber bei sich: Soll ich den Körper der Ehrwürdigen begraben? Es möchte der Seligen vielleicht nicht wohlgefällig sein. So denkend sah er neben ihrem Haupte folgendes auf die Erde geschrieben: Begrabe Vater Zosimas, an dieser Stelle den Leib der demütigen Maria, gib zurück die Erde der Erde, bete aber zu Gott, für mich, die dahingeschieden im ägyptischen Monat Pharmuti, nach römischer Rechnung am 1. April, in der Nacht des heilbringenden Leidens Christi, nach dem Empfang des göttlichen geheimnisvollen Abendmahles.

Nachdem Zosimas diese Handschrift gelesen hatte, fragte er bei sich, wer hat dies geschrieben? Denn sie hat selbst gesagt, daß sie nicht schreiben könne. Aber er freute sich sehr, daß er den Namen erfahren hatte. Er erkannte aber auch, daß – als er ihr die heiligen göttlichen Sakramente am Jordan erteilte, dies an derselben Stelle geschah,  wo sie starb. Und den Weg, den er in zwanzig Tagen mit Mühe zurücklegte, den hatte Maria in einer einzigen Stunde durchwandert und war gleich zu Gott dahingeschieden.

Gott preisend und die Erde und den Körper der Ehrwürdigen mit Tränen benetzend sprach er bei sich: Es ist Zeit, das dir befohlene zu vollziehen. Aber wie magst du Unseliger ein Grab zu graben, da du nichts in deinen Händen hast?! Als er dies sagte, sah er nicht weit davon ein kleines Stück Holz in der Wüste liegen, welches er nahm und mit dem er zu graben begann. Die Erde aber war ausgetrocknet und wollte nicht nachgeben dem sich Mühenden, welcher grub, mit Schweiß bedeckt, aber keinen Erfolg hatte.

Seufzend aus innerster Seele bemerkte er einen großen Löwen, der vor dem Körper der ehrwürdigen Maria stand und ihre Füße beleckte; er war von Angst erfüllt, besonders, als er sich erinnerte, daß die Selige gesagt, sie habe niemals Tiere gesehen: sich bekreuzend glaubte er, er werde unversehrt bleiben durch die Kraft der Liegenden. Der Löwe begann aber sich sachte dem Greise zu nähern und schmeichelte mit sanften Bewegungen, als ob er küssen wollte.

Zosimas -Maria v. Ägypten, Begräbnis

Da sagte Zosimas zu dem Löwen:
O du Tier, diese Große hat mir befohlen ihren Leib zu begraben, aber ich bin alt und kann das Grab nicht ausgraben und mir befohlen ihren Leib zu begraben, aber ich bin alt und kann das Grab nicht ausgraben und habe kein passendes Werkzeug dazu. Und ich bin in solcher Entfernung vom Kloster, daß ich nicht schnell zurückkommen und es herholen kann. Grabe daher du mit deinen Tatzen das Grab aus, damit ich der Erde den Leib der Ehrwüdigen übergebe.

Sofort grub der Löwe, diese Worte vernehmend, mit den vorderen Tatzen eine Öffnung, die genügte um die zu Bestattende zu bergen. Wieder wusch der Greis die Füße der Ehrwürdigen mit seinen Tränen und sie viel bittend, für alle zu beten, bedeckte er mit Erde ihren Leib, der nackt und nur oben mit dem von Zosimas geschenkten zerrissenen Kleide bedeckt war. Beide gingen fort. Der Löwe in das Innere der Wüste, still wie ein Schaf, Zosimas aber kehrte zu den Seinen zurück, segnend und lobend Christum unsern Gott.

Nachdem er zum Kloster gekommen, erzählte er allen Mönchen von der ehrwürdigen Maria, nichts verhehlend von dem was er gesehen und von ihr gehört, so daß alle Hörenden die großen Taten Gottes hoch priesen und mit Furcht, Glaube und Liebe ihr Gedächtnis begingen und den Tag des Hinscheidens der Ehrwürdigen Maria verherrlichten. Der Igumenos Johannes aber fand einiges, was nach dem Worte der Ehrwürdigen zu verbessern war und besserte dies mit Hilfe Gottes.

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mariaegypti

Die Menge meiner Missetaten sehe ich, Armseliger, ein. Ich schaudere vor dem furchtbaren Tag des Gerichtes, aber ich fasse Mut, wenn ich auf Dein Erbarmen blicke, und rufe Dir wie David zu: Erbarme Dich über mich, Gott, nach Deinem großen Erbarmen.

Ähnlich ward ich dem Reichen, der sich täglich ergötzte an der Wonne der Lüste. Drum flehe ich, Heiland, zu dir: Wie den Lazarus bewahre mich vor dem Feuer. Bekleidet, Heiland, bin ich mit der Lüste Gewand wie jener mit Linnen und Gold und mit goldenem Kleid. Doch wirf mich nicht wie jenen hinaus in das Feuer. Es erfreute an Reichtum, an Wonne der Reiche sich einst im vergänglichen Leben. Drum ward er zu Qualen verdammt. Doch Lazarus, der Bettler, ward mit Tau besprengt.

Der Engel und der Sterblichen Heere besingen dich ohne Ende, jungfräuliche Mutter. Denn ihren Schöpfer hast du als Kind in  deinen Armen getragen.

Mir, der in Liebe dein lichtbringendes und heiliges Gedächtnis feiert, sende Licht mir hernieder, Selige, die du bei Christus stehst, dem unzugänglichen Lichte, und errette mich vor den vielfachen Stürmen des Lebens.

O Deiner reichen Erbarmung, mein Gott, Deiner unsagbaren Huld, dass Du die einstige Buhlerin durch Deiner Mutter Ermahnung als eine Makellose und Reine ähnlich machtest den Engeln. Wie Du Lazarus vor der Glut gerettet hast, Christus, so bewahre mich vor dem Feuer, Deinen unnützen, unwürdigen Knecht.

Durch Leidenschaften und Lüste bin ich ein Reicher, o Herr. Ein Lazarus bin ich durch der Tugenden Schwund. Wohlan, sei Du mein Erretter. Der Reiche kleidete sich in den Purpur und Linnen der Lüste und Sünden. Drum wird er mit Feuer gequält. Hilf uns durch dein Flehen, Allreine, wehre ab den Ansturm der schrecklichen Gefahren.

Dir, die durch gottlose Taten der Verlorenheit Toren sich nahte, dir öffnet Er, Der durch die Macht Seiner Gottheit einst des Hades Tore zerrieb, o Allselige, die Tore der Reue, Er, Der selber ist die Pforte des Lebens. Die, Langmütiger, einst ein Werkzeug der Sünde gewesen, ließest Du durch die Verehrung der Waffe des heiligen Kreuzes alle Waffen und Listen der Dämonen gänzlich abwenden, Erbarmer. Der als Sühne für alle Sein Blut einst vergoss, Der macht im Bade der Tränen dich rein, die krank war an schlimmer Taten furchtbarem Aussatz, Er, der gänzlich allen das Dasein verleiht.

Über jegliches Wort ist erhaben, o Jungfrau, was an dir geschehen ist. Denn das Wort des Vaters schlug göttlich in dir auf sein Gezelt, durch Sein Wort allein schenkt es allen Sündern der Fehler Vergebung.

Alle Ausgelassenheiten des Fleisches hast du in asketischen Mühen gezügelt und so deiner Seele mannhaftes Wollen gezeigt. Denn in Sehnsucht, das Kreuz des Herrn zu betrachten, hast du, im Lied Gepriesene, dich der Welt gekreuzigt. So hast du dich selbst zum Trachten nach dem Wandel der Engel, Allseligste, freudig erweckt. Drum feiern wir, Maria, gläubig im Lied dein Gedächtnis und flehen, dass auf deine Fürbitten uns reichlich der Fehler Vergebung geschenkt werde.

Die himmlische Pforte und Lade, den allheiligen Berg, die lichtstrahlende Wolke lasst uns besingen in Hymnen, die himmlische Leiter, das geistige Paradies, Evas Erlösung, der ganzen Welt großes Kleinod. Denn das Heil ward in ihr der Welt bewirkt und der alten Vergehen Vergebung. Darum auch rufen wir ihr zu: Fleh’ an deinen Sohn und Gott, der Fehler Vergebung denen zu schenken, die gläubig Zuflucht bei dir suchen.

Es lebte in Wonne der Reiche, sich an Speise und Gewändern erfreuend. Lazarus aber begehrte, nur einmal mit seinen Brosamen den Hunger zu stillen. Die Hunde leckten ab mit der Zunge des armen Lazarus Wunden: sie wurden mehr als des Reichen Herz von Mitleid gerührt mit dem Armen. Einst lag hingeworfen vor des Reichen Tor, o Retter, Lazarus, von der Armut Geißel gepeinigt. Drum wird er jetzt verherrlicht. Den du empfangen, o Reine, flehe zu ihm, Er möge erretten aus der Knechtschaft des Feindes, die dich in Hymnen besingen. Denn Unsere Beschützerin bist du allein.

Da des sterblichen Wesens Bildner Du bist und der Güte Born und der Barmherzigkeit Strom, Menschenliebender, erbarmtest Deines Schützlings Du Dich und entrissest sie dem verderbenbringenden Tier. Das Kreuzesholz zu sehen, eiltest du. Da wardst du vom Kreuzeslicht, Maria, erhellt durch den Gotteswink dessen, der dem Kreuze vertraut, und wurdest gekreuzigt der Welt, du aller Bewunderung Werte. Die durch böse Lüste einst vielen den Anlass zu Sünden gab, die Selige, ward strahlend gleich einer Sonne und aller Sündigen Wegweiserin. Du übertrafest selbst die himmlische Einsicht, du geistiger Himmel des Königs des Alls: Denn fernab den Gesetzen der Natur hast du, o Reine, den Gesetzgeber und den Schöpfer aller geboren.

Als der Reiche im Schoße Abrahams Lazarus schaute, in Licht und Herrlichkeit sich erfreuend, da schrie er: Vater Abraham, befreie mich, der zum Feuer verdammt ist und dessen Zunge furchtbar erglüht. In Wonne hast du gelebt, dich an des Lebens Reichtum erfreuend, sprach Abraham zu dem Reichen, darum bist du also auf ewig bestraft, lebend in Flammen. Lazarus aber, der Bettler, frohlocket in ewiger Freude. Reich ward ich am Tage des Lebens gleichwie der Reiche, der das ganze Leben in Lüsten vertan, Menschenliebender. Wohlan, ich erflehe Dein Erbarmen, vor dem Feuer mich zu bewahren, gerettet wie Lazarus.

Als Mutter darfst du zu deinem Sohne, Allheilige, offen reden. Wir bitten, verachte nicht unsere Menschensorge, die dir vertraut ist, da wir Christen auf dich allein uns berufen als dem Herrn genehme Sühne.

Verherrlicht ward Moses, der Herrliche, auf Sinai einst, da er mystisch im Rücken Gott schaute [Ex 33,18-22], ein neues Mysterium darstellend im Bild. In heißer Reue jetzt niedersinkend vor dem Mannagefäße, dem heiligen Bilde, erlangt Maria das Leben der Engel.

Deines Tempels Zierde und deiner Herrlichkeit geistiges Zelt sehnt sich mit dem Psalmisten zu schauen, die deinen Tempel entweihte. Durch die geistigen Fürbitten jener, o Christus, die dein jungfräulicher Tempel geworden, mach mich zum Tempel des alles wirkenden Geistes. Die durch die Angel des Fleisches, durch ihre Augen viele gefangen, in flüchtiger Lust sie zum Fraße des Teufels machte, wurde in Wahrheit gefangen durch die göttliche Gnade des heiligen Kreuzes, ward Christi süßeste Speise [eigentlich: Dessert, Zukost].

Eingeweiht in das Mysterium, das in dir sich vollzog, hat der Chor der Propheten, mystisch redend von Gott, dich, Reine, auf mannigfaltige Weise verheißen. Niedergekniet bist du nun vor des Mannagefäßes heiligem Bilde, Maria, Bürgschaft der Sünder bei Gott.

Der Reiche hat sich selber zu Feuerflammen verdammt durch sein lüsternes Leben. Der arme Lazarus aber, der die Armut in diesem Leben erlöste, ward gewürdigt der unvergänglichen Wonne. In Abrahams Schoße ward im Übermaß Lazarus des ewigen Lebens, o Christus, für würdig gehalten. Der Reiche aber ward zum Feuer verdammt, gepeinigt an Seele und Leib. Verdammt  ward  zum  Feuer  der  Reiche  um  des  Lazarus  willen. Verdamme mich nicht, so bitte ich, mich Elenden, menschenliebender Herr, nein, wie den Lazarus, so würdige auch mich Deines Lichtes.

Mögen wir vor schlimmen Fehlern bewahrt werden auf deine Bitten, Gottesmutter, du Reine. Mögen wir, Allheilige, das göttliche Licht erlangen, Gottes Sohn, Der auf unsagbare Weise aus dir geboren wurde.

Es freuen sich, Maria, die Heere der Engel, da sie in dir, Selige, das dem Wettkampf gewachsene, heilige Leben schauen, und Ruhm rufen sie zu dem Herrn

Der Dämonen finstere Scharen erbeben vor der Beharrlichkeit deiner Kraft: wunderbar hast du allein, als wehrloses Weib sie beschämt. Gleich einer Sonne erstrahltest du, Maria, Allselige, und durch Zeichen hast du die ganze Welt erhellt. So erleuchte mit deinem Lichte auch mich.

Die Engel, umleuchtet vom Glanze deines Gebärens, riefen, o Jungfrau, in Eintracht: Auf Erden Friede allen und ein Wohlgefallen den Menschen.

Einst mit allerlei Unzucht erfüllt, wardst heute durch Reue als Christi Braut du erwiesen. Dich sehnend nach dem Wandel der Engel, hast du die Dämonen durch des Kreuzes Waffe besiegt. Drum bist du als Braut des Königs erschienen, Maria, Herrliche du.

Christi Lamm und Tochter lasst jetzt in Gesängen uns preisen: Maria, besungen im Lied, die als Kind der Ägypter erschienen. Dem Trug jener ist sie gänzlich entflohen und ward allein der Kirche geschenkt als vollendete Blüte, die sich in Enthaltung und Flehen über das Maß der Menschennatur übte. Drum hat der einzige Allherrscher auch ihr Werk, ihren Wandel verherrlicht. Maria, du Herrliche, flehe für uns.

Heute am 5. Sonntag des Fastens begeht man das Gedächtnis unserer heiligen Mutter Maria von Ägypten. Stichen Geist hat sie empfangen, des Fleisches sich einst enthalten. Das Beinhaus, o Erde, verbarg die tote Maria. Auf ihre Fürbitten hin, erbarme Dich, o Gott, und rette uns. Amin.

Wie Hiob einst in der Fäulnis der Würmer da saß und im Schmutze, also lag Lazarus ruhend vor der Pforte des Reichen, rufend: Gott der Väter, gepriesen bist Du.

Hingestreckt lag einst Lazarus vor den Toren des herzlosen Reichen und begehrte nach den Brosamen von dessen Tafel. Aber niemand gab ihm davon. Doch an ihrer statt fand er Abrahams Schoß. Von des herzlosen Reichen Los erlöse mich, ich bitte, mein Christus. Weise mich dem armen Lazarus zu, und lass mich dankbar rufen zu Dir: Gott unserer Väter, gepriesen bist Du.

Aus  jungfräulichem  Schoße  bist  Du  im  Leibe  zu  unserem  Heile erschienen. Drum Deine Mutter als Gottesmutter erkennend, rufen wir dankbar: Gott unserer Väter, gepriesen bist Du.

Zosimas, der Weise, der Größte unter den Vätern, ward, als er die Wüste durchwanderte, die Selige zu schauen gewürdigt. Gott unserer Väter, so singt er, gepriesen bist Du. Was, Vater, bist du gekommen, zu schauen, ein Weib, dem alle gediegene Tugend fremd ist? So rief dem Greise die Selige zu: Gott unserer Väter, so ruft sie, gepriesen bist Du. Da du, o Selige, die Ausgelassenheit deiner Lüste ertötet hast, bist jetzt du gelandet in der Gelassenheit Hafen und rufst: Herr, Gott unserer Väter, gepriesen bist Du.

Unsagbar hast du, Jungfrau bleibend, o Reine, empfangen und Geboren der Welt unsern Gott, Christus, den Heiland. Drum erheben wir Gläubige dich alle in Liedern.

Mit einem Gewande aus Scharlach, Linnen und Purpur hat einst der Reiche sich prächtig bekleidet trotz seiner Schande. Der arme Lazarus aber lag vor dessen Tore in seiner Not. Mit den Brosamen, die von der Tafel fielen, wollte er sich sättigen. Doch niemand gab sie ihm. Drum herrscht er mit Christus in Herrlichkeit.

Vor des Reichen Tor lag Lazarus. Sein Leib verweste vor Wunden. Er wollte mit Speise sich sättigen. Doch niemand gab sie ihm. Aber, es leckten ihm ab vor Mitleid die Hunde mit ihrer Zunge seine Geschwüre und Wunden. Drum ward er im Paradies der Wonne gewürdigt. Reich war ich an Lüsten wie einst der Reiche, der alle Tage in Scharlach gekleidet war. Auch ich, Erbarmungsreicher, verdamme mich in diesem Leben durch Wonnen und Blendwerk. Drum fleh ich zu Dir: Bewahre mich, Christus, vor dem ewigen Feuer in alle Äonen.

Die dreifachstrahlende Gottheit, das einfache, leuchtende Licht aus der dreipersönlichen einen Natur, den anfanglosen Vater, des Vaters wesensgleiches Wort und den mitherrschenden, wesensgleichen Geist, ihr Jünglinge, rühmt Sie, Priester, besingt Sie, Volk, erhebe Sie in alle Äonen.

Der Du die Tiefen unseres Herzens erforschest und vor der Geburt sie erkennst, drückendem Leben entrissest Du die, welche ihre Zuflucht nahm, Heiland, zu Dir und, in Deiner Menschengüte geborgen, laut rief: Priester, rühmt Ihn, Volk, erhebe Ihn in alle Äonen.

O der heiligen Wandlung, Verwandlung zu deinem Besseren, Heilige. O der heiligen Liebe, die hasset die fleischlichen Lüste. O des brennenden, heiligen Glaubens, Maria, Allselige, die gläubig wir rühmen und erheben

Christus, ich bitte, mach mich zu einem armen Lazarus. Banne meiner Lüste Gier, der Du Gott von Natur bist. Doch an Tugenden mache mich reich, dass ich gläubig in Liedern Dich preise. Reich und herzlos wandte ich ab den Sinn von Deinen Geboten im Glauben an mich, Menschenliebender. Nun liege ich vor den Toren in Not. Doch du bist erbarmend, zur Güte geneigt. So richte mich auf wie einst Lazarus, Deinen Freund. Der lag schon vier Tage im Grab. Alle haben wir des Herren Gleichnis vernommen. So lasst uns denn, Gläubige, alle des Reichen Herzlosigkeit hassen, damit wir der Strafe des Feuers entfliehen und in Abrahams Schoße stets tanzen im Chor.

Dich, die den unsichtbaren Gott auf den Armen gehalten, Ihn, der in den Himmeln in Hymnen besungen wird von jedem Geschöpfe und durch dich stets Rettung uns schenket, in Glaube und Liebe besingen wir.

Leichter ertrugst du, Mutter, die Mühe der Wüste, beschwingt durch Christi gewaltige Macht. Denn unreine Gedanken, die dich befielen, löschtest du, Heilige, in Strömen heiliger Tränen aus: Du der Asketen Haupt, der Seligen Ruhm. Mit lichtesten Strahlen erleuchtet dich die Jungfrau, die Reine, die allein Christus geboren, das Licht, und macht dich, Heilige, furchtbar den Feinden. Offenbar bist du allen, Maria: Du der Asketen Zier, der Seligen Bollwerk. Klug hast du alle Erdendinge verlassen und bist als des Geistes heilige Wohnung erschienen. Flehe zu Christus, dem einzigen Heiland, dass von den Übeln der Welt er jene befreie, die gläubig dein heiliges Gedächtnis begehen.

Den Naturgesetzen, o Braut, durch ein Wunder entgehend, hast du als Kind, als Knaben, o Reine, den Gesetzgeber auf Erden geboren, den Alten der Tage, du geistiger Himmel des Bildners des Alls. Drum preisen wir in Glaube und Liebe dich selig.

In dir haben wir ein Vorbild der Reue, Maria, Allselige, flehe zu Christus, dass er diese uns schenke, damit wir in Glaube und Liebe in Gesängen dich preisen. Du bist der Engel Süßigkeit, der Bedrängten Freude, der Christen Hilfe, Jungfrau, Mutter des Herrn, nimm meiner dich an und bewahre mich vor der ewigen Pein.

Das Gottesreich ist nicht Speise und Trank sondern Gerechtigkeit und Tugendübung mit Heiligung. Drum werden auch die Reichen nicht darin eingehen sondern nur die, die ihre Schätze in die Hände der Armen gegeben. So lehrt auch David, der Prophet, wenn er spricht: Gerecht der Mann, der den ganzen Tag sich erbarmt, der Wonne hat im Herrn und wandelt im Licht, der keinen Fehltritt macht. All dies ist geschrieben zu unserer Belehrung, damit wir fastend das Gute tun, und der Herr uns statt irdischer himmlische Güter schenke.

Allgesegnete  Jungfrau  Gottesgebärerin,  aus  dir  hat  Seinen Leib genommen, Der den Hades gefesselt, Adam zurückgerufen, den Fluch getilgt, Eva befreit, den Tod getötet und uns das Leben geschenkt. Ihn preisen wir in Hymnen und rufen: Gepriesen bist Du, Christus unser Gott, Dem es also gefiel.
Ehre sei Dir.

Quellen:
Hier  – und – Hier.