Dankbarkeit

Wenn du dich dankbar auf dein Lager begibst und die Wohltaten und die so gewaltige Fürsorge Gottes dir gegenüber im Herzen erwägst, erfüllt von edlen Gedanken, wird deine Freude vermehrt; der Schlaf deines Leibes wird zur Nüchternheit deiner Seele, das Schließen der Augen zur wahren Schau Gottes; und indem dein Schweigen mit dem Guten befruchtet wird, läßt es dem Gott aller Dinge aus ganzer Seele und mit aller Kraft eine erhabene Verherrlichung zu Ohren kommen.

Denn wenn sich im Menschen keine Schlechtigkeit findet, ist die Dankbarkeit — und nur sie — Gott wohlgefälliger als jede prächtige Opfergabe. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

(Antonius, Belehrungen, 170)

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Mißgunst

Das Sterbliche ist sich selbst gegenüber voller Mißgunst, weil es diesen (irdischen) Tod im voraus weiß. Doch die Unsterblichkeit wird der heiligen Seele deswegen geschenkt, weil sie gut ist. Die Sterblichkeit aber wird der unverständigen und elenden Seele deswegen zuteil, weil sie böse ist.

(Antonius, Belehrungen, 169)

Geist, Wissen, Erkenntnis und Unterscheidung des Guten

Wie in der Geburt das Leid enthalten ist — was entsteht, geht ja im Leben auch zugrunde —, so ist auch im Leid die Schlechtigkeit zugegen.

Sage nun nicht, Gott vermochte die Schlechtigkeit nicht auszutilgen! Denn wer so redet, redet stumpfsinnig und töricht. Es wäre gewiß nicht recht gewesen, hätte Gott die Materie ausgetilgt — beziehen sich diese Leiden doch auf die Materie. Gott aber hat die Schlechtigkeit in den Menschen ausgetilgt — wie es uns von Vorteil war —, indem er ihnen Geist, Wissen, Erkenntnis und Unterscheidung des Guten schenkte. Wir sollen damit erkennen, daß wir von der Schlechtigkeit Schaden nehmen, und darum vor ihr fliehen.

Der unverständige Mensch aber folgt der Schlechtigkeit und brüstet sich mit ihr. Und als sei er in ein Netz geraten, kämpft er, von ihr darin eingeschlossen. Niemals vermag er sich zu erheben und Gott zu schauen und zu erkennen, der das All geschaffen hat zum Heil und zur Vergöttlichung des Menschen.

(Antonius, Belehrungen, 168)

Vorstellung irgendeiner Lust

Wenn du die Vorstellung irgendeiner Lust auffängst, dann hüte dich, daß du nicht plötzlich von ihr mit fortgerissen wirst. Halte vielmehr ein wenig inne, erinnere dich an den Tod und bedenke, wieviel besser es ist, dir bewußt zu sein, diese Verführung der Lust besiegt zu haben.

(Antonius, Belehrungen, 167)

Arten von Lebewesen

Um derentwillen, welche in gottloser Weise zu behaupten wagen, die Pflanzen und Kräuter besäßen eine Seele, habe ich dieses Kapitel für die arglosen Menschen geschrieben zur Kenntnis (des wahren Sachverhalts). Die Pflanzen besitzen zwar das natürliche Leben, jedoch keine Seele. Der Mensch aber wird ein vernunftbegabtes Lebewesen genannt, da er Geist besitzt und für Wissen empfänglich ist. Die anderen Lebewesen allerdings, die sich auf der Erde und in der Luft befinden, haben eine Stimme in sich, weil sie Atem und eine Seele besitzen. Auch ist zwar alles, was größer und kleiner wird, ein Lebewesen, weil es lebt und wächst, es besitzt jedoch keine Seele.

Es gibt nämlich vier verschiedene Arten von Lebewesen. Die einen sind unsterblich und beseelt, wie die Engel. Die anderen besitzen einen Geist, eine Seele und Atem, wie die Menschen. Wieder andere Atem und eine Seele, wie die Tiere. Andere schließlich besitzen allein das Leben, wie die Pflanzen. Bei den Pflanzen besteht das Leben ohne Seele, Atem, Geist und Unsterblichkeit. Alles andere jedoch kann ohne das Leben nicht existieren. Jede Seele aber — und zwar selbstverständlich die des Menschen — befindet sich stets in Bewegung von einem Ort zum anderen.

(Antonius, Belehrungen, 166)

Übe …!

Tu Gutes dem, der dir Unrecht tut, und du wirst Gott zum Freund haben. Verleumde deinen Feind vor niemandem. Übe Liebe, Besonnenheit, Geduld, Selbstbeherrschung und ähnliche Tugenden. Denn die Erkenntnis Gottes besteht darin, Gott durch Demut und derartige Tugenden zu folgen. Diese Werke aber sind nicht jedem beliebigen, sondern (nur) einer vernünftigen Seele zu eigen.

(Antonius, Belehrungen, 165)