CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

In dieser Heiligen Nacht  –

ist Christus in Glorie und Herrlichkeit aus dem Grabe erstanden!

Alleluia, Alleluia, Alleluia!

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Wie man es oft auf wunderschönen ostkirchlichen und orientalischen Ikonen betrachten kann, so steht Christus als Sieger auf den darniederliegenden Pforten der Hölle, und neigt sich voll Güte zu uns Menschen: mit ausgestrecktem Arm ruft er unsere Stammeltern, samt allen heiligen Patriarchen, Propheten und Gerechten des Alten Bundes aus der Unterwelt.

Er ruft sie aus der Dunkelheit des Kerkers . . . – Der Feind ist endgültig besiegt, ein für allemal hat der Tod jede Macht verloren, das Leben ist wiedergekehrt.

Heute feiern wir das Fest aller Feste. Seine Herrlichkeit erstrahlt uns auf in der Feierlichkeit der Liturgie, die jeden anderen großen Festtag des Jahres bei weitem übertrifft, so wie der Glanz der Sonne alle übrigen Gestirne hinter sich verdrängt.

Die Auferstehung ist zunächst ein Fest ganz zu Ehren unseres Herrn. Seine Seele war in das Reich der Toten hinabgestiegen, während sein Leib im Grabe lag. Nicht als Leichnam stieg er hinab, da er mit der Gottheit verbunden war, aber doch leblos.

Der Vater konnte seinen Sohn nicht verlassen, nicht zulassen, dass sein Heiliger die Verwesung sehe (Ps 15).

Christus hat sich wieder mit seinem Leib vereint, ihm ein neues Leben eingehaucht. Kein Leben wie früher, sterblich und leidensfähig, sondern ganz neu und herrlich: einen verklärten Leib.

Die Gottheit, die in Christus von keinem der beiden Bestandteile (Leib und Seele) der menschlichen Natur gewichen war, verband sich wieder durch das Wort des Allmächtigen, durch welches sie vorher getrennt worden war (Leo der Große).

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, weil er es wollte. Er ist gestorben, weil er es wollte. Er ist auferstanden, durch seine eigene Kraft. Die Auferstehung Christi ist etwas ganz anderes als die des Lazarus oder des Sohnes der Witwe von Naim. Diese lebten wie gewöhnliche Menschen weiter und mussten dann doch sterben. Die Auferstehung des Herrn ist keine Rückkehr ins physische, rein menschliche Leben. Sondern zu einem neuen, übernatürlichen und glückseligen Leben. So konnte auch der Heiland plötzlich unter den Jüngern erscheinen, auch wenn alle Türen und Fenster verschlossen waren. So konnte er auch zu jeder Zeit und an jedem Ort unter den Gläubigen anwesend sein. Wie er auch jetzt mitten unter uns ist, unsichtbar und doch wirklich lebendig gegenwärtig in unserer Kirche.

Die Auferstehung Christi ist in jeder Hinsicht ein Geheimnis.

Sie fand heimlich und ohne Zeugen statt. Niemand war dabei und niemand konnte zusehen, wie der Herr aus dem Grabe erstand. Die heiligen Frauen, die Apostel, und allen denen er erschien konnten ihn greifbar sehen, – auferstanden. Nicht aber die Auferstehung.

Sie fanden zwar das Grab geöffnet, nicht aber durch Christus, sondern durch die Engel war der Stein weggewälzt worden.  Aber erst nach der Auferstehung, damit die Jünger angesichts des leeren Grabes zum Glauben gar „gezwungen“ würden. Christus erstand aus dem Tode im Grabe, so wie er auch aus dem Schoss seiner jungfräulichen Mutter hervorging: allein, und in der Stille der Nacht.

Unknown Russian Icon painter. Resurrection of Christ and the Harrowing of Hell. 1500. Recklinghausen

Diese Auferstehung ist das Kernstück, das Kerngeheimnis unseres Glaubens. Das Christentum ist ein Geheimnis des Kreuzes, des Todes, – aber vielmehr ein Geheimnis des wieder gewonnenen Lebens durch den Tod. Ein Geheimnis des wahren, unsichtbaren Lebens, das aus dem Kreuze durch Gottes Kraft entspringt, und den Tod genau in dem Augenblick seines scheinbaren Siegs, endgültig niederringt.

Ist Christus nicht auferstanden, spricht der Apostel, so ist unser Glaube nichtig, so sind wir hoffnungslos in unseren Sünden. Ist Christus nicht auferstanden, so sind wir die Ärmsten aller Menschen, wir glauben vergeblich!

Aber das Christentum ist das Geheimnis des Lebens und der Glückseligkeit, welches hier und jetzt schon existiert, welches durch Christus für alle Zeiten erlangt worden ist: Glaubt und vertraut mir, spricht der Herr, ich habe die Welt besiegt!

Das Christentum ist keine Ideologie! Es ist kein Gedankenkonstrukt, kein moralisches Grundgesetz, nicht irgendwelche rituelle Etikette, sondern eine Person: Christus. Eine Person die wirklich lebt, jetzt und für immer, auf ewig! Ein neues Leben, das von keinem Leid, keinem Tod, keinem Übel und von keiner Bosheit angetastet werden kann. – Eine Ideologie unter vielen anderen könnte durchaus unterdrückt und ersetzt werden, eben durch eine andere Ideologie. Ein Gedankensystem kann umgeworfen und widerlegt werden, durch ein anderes und vielleicht besseres, oder auch nur besser Vertretenes. Aber gegen eine Person, einen Menschen aus Fleisch und Blut, der nicht nur irgendwann gelebt hat, sondern jetzt durch seine Lehre in der Welt wirkt, der unsterblich lebt und gegenwärtig unter uns ist und herrscht, dagegen kann nichts und niemand sich widersetzen.

Der Sieg, der die Welt überwindet, ist unser Glaube. Ja, wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der wirklich glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist! (1.Joh. 5,4)

Die Auferstehung Christi ist auch unsere Auferstehung.

Sie ist nicht nur ein vergangenes Ereignis, eine historische Erinnerung, sondern ganz aktuell: unsere persönliche Auferstehung, die am jüngsten Tage vollendet wird, beginnt jetzt schon, in unserer Seele. Jesus Christus hat in seiner Passion unsere menschliche Natur mit aufgeopfert. Und durch seine Auferstehung hat er sie auch erneuert und wieder belebt. Unser Hohepriester, sagt der hl. Augustinus, ist unser Opferlamm geworden, und in seiner Auferstehung ist unsere menschliche Natur mit einem neuen Leben erfüllt und Gott dem Vater vorgestellt worden. Christus ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern. (Röm 8,29) Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche; er ist der Anfang, der Erstgeborene unter den Toten, damit er in allem den Vorrang habe. (Kol. 1,18)

Ja, die Auferstehung Christi ist unsere Auferstehung.

Wir haben, im Laufe der vierzigtägigen Fastenzeit an den Leiden unseres Herrn, ja am Kreuzestode Christi, liturgisch teilgenommen. Welchen Nutzen eine solche Teilnahme bringt, das haben wir an uns selbst erfahren: wie sehr es für Leib und Seele von Vorteil ist, längere Zeit hindurch zu fasten, öfters zu beten, gegen Versuchungen zu kämpfen, den Teufel und seine bösen Einreden abzuschlagen und zu besiegen. Dieses liturgische Kämpfen, Streiten und Mitleiden mit Christus und zusammen mit allen Christen, führt uns zur (heutigen Mit-)Feier, zur gemeinsamen Freude aller Christen mit Christus. Heute ist es angebracht, ja notwendig, uns mit Christus zu freuen, auch an seinem Glück teilzuhaben. Soll doch das Ostergeheimnis in unserem Leben ein Echo finden und in unserem Wandel zum Ausdruck kommen! Das Kreuz ist nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Glorie. Wir wollen leben! Aber nicht nur bis morgen oder übermorgen, sondern unendlich leben! Es gibt ein Leben, das zum Tode führt, und einen Tod, der zum Leben führt. (Irenäus) Die Reinigung des Herzens, der Kampf gegen alle Versuchungen und bösen Gedanken zielt hin auf das Leben. Nicht auf eine eitle Selbstverwirklichung, auf eine selbst erdachte und gebastelte Vollkommenheit, sondern einzig und allein auf die Vereinigung mit der verklärten Person unseres Herrn, Jesus Christus.

Unsere Auferstehung begann mit der Taufe, durch welche wir dem Herrn eingegliedert wurden. Und sie ist ganz und gar unsichtbar, verborgen tief in der Seele eines jeden. Und eines Tages wird sich auch unsere Seele durch Gottes Gnade wieder mit dem Leib vereinigen für das ewige Leben:

Ich weiß, sagt Hiob im Höhepunkt seines Unglücks, dass mein Erlöser lebt, und dass ich am jüngsten Tage aus dem Staube auferstehen werde. Alsdann werde ich in meinem Fleische Gott schauen. Ja, mit meinen eigenen Augen werde ich ihn erblicken, meinen Heiland.

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Die Auferstehung des Herrn deutet auch auf die Auferstehung der Kirche hin. Es dürfte wohl niemandem verborgen geblieben sein, dass die Kirche heute eine Passion durchlebt, eine Art Sonnenfinsternis, wie sie vor 2000 Jahren am Karfreitag stattgefunden hat. Bei einer Sonnenfinsternis liegt alles im Schatten. So warten auch wir auf die Auferstehung unserer Heiligen Kirche. Aber wir warten nicht untätig, wir stehen nicht starr und bewegungslos da! Wir wollen eifrig wirken und diese Erneuerung herbeiführen, herbeirufen und erflehen. Wir wollen aktiv daran teilnehmen, so fest und stark wie Christus uns die Kraft dazu gibt. Geben wir uns keiner Illusion hin: Auferstehung der Kirche und Auferstehung in der Kirche wird nur möglich sein durch langmütiges und mühsames Wiederaufbauen des wahren christlichen Lebens. In erster Linie geht es nicht um Institutionen. Diese können kommen und wieder verschwinden, denn sie sind natürlichen Ursprungs. Nur die eine Kirche hat die ewige Verheißung Gottes: Das christliche Leben, den vollständigen Glauben, die glühende Liebe, die unüberwindliche Hoffnung! Und alles, was uns von Christus, von den Aposteln, von den Vätern überliefert worden ist! Unsere heilige Tradition! Das ist unsere Ehre und auch unsere große Herausforderung und Verantwortung. Das ist die Aufgabe eines jeden von uns, gemäß seinem Stand, an seinem jeweiligen Platz. Wir sind verantwortlich für das, was wir unseren Kindern weitergeben. Wir haben nicht das Recht unsere Tradition abzuschwächen oder gar Teile davon zu verschleudern oder zu verwerfen, sie ihres Reichtums zu berauben, sie arm zu machen. Um das zu verhindern gibt es kein anderes Mittel als eine treue, kluge und lebendige Überlieferung: sich den Schatz persönlich aneignen, ihn beschützen und zum Gedeihen bringen und so weiterschenken. Die Tradition ist lebendig. Die Tradition lebt!

Wie also Christus in unserer Natur auferstanden ist, so wird er uns auch auferwecken durch seine Macht. So ist es auch mit der Auferstehung der Kirche: sie hat schon begonnen, innerlich, unsichtbar, weil der Herr seine Kirche nicht verlassen kann. Wie der Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in uns wohnt, und auch unseren sterblichen Körper von den Toten auferweckt, so ist auch heute wie früher und allezeit der Heilige Geist anwesend. Stets am Werk in der Kirche, bis zur tief ersehnten Auferstehung. Welch ein Glanz, welch eine Schönheit, welch ein neues Leben! Was für eine Glorie darf die Kirche nicht erwarten, nach solcher Schmach, nach solcher Schande! Was für eine tiefe Freude und Glückseligkeit kommt auf die Kirche zu, wenn sie dann wieder von Christus Ihrem Bräutigam, ihren ursprünglichen Glanz erhält, wenn sie mit Ihm vereinigt werden darf in Glorie und Herrlichkeit!

Auf dieses Glück müssen wir uns vorbereiten. Die liturgische Osterfeier ist eine Schule der Freude, eine Vorbereitung auf die große, endgültige Feier im Reiche Gottes. Die früheren Christen waren überzeugt, dass Christus in einer Osternacht wieder kommen würde: sie warteten die ganze Nacht mit Psalmen und Hymnen, lasen andächtig die Heilige Schrift und sangen von neuem das Lob Gottes, – bis das Licht der Sonne allmählich aufstieg: Christus war noch nicht gekommen. Da feierte man die Heilige Messe, um unter den Gestalten von Brot und Wein den Heiland bei sich zu empfangen. Und mit tiefer Freude ging man auseinander: Christus lebt, Christus ist unter uns!

Sursum corda! – Empor die Herzen! + Lasst uns suchen was droben ist, über das was droben ist lasst uns nachsinnen und es verkosten!  –  Alleluia, Alleluia, Alleluia!

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Warum wir FASTEN

Wir haben auch in diesem Jahr wieder die Gnade, die „Chance“, innerhalb von 40 Tagen den Unfug der restlichen mehr als 320 Tage, zu büßen und zu tilgen!

Natürlich sind wir immer zu Beginn der Fastenzeit ein wenig besorgt um die kulinarischen Einschränkungen, die auf uns zukommen. Sei es auch nur in unserem Vorstellungsvermögen. – Man muss dennoch zugeben, dass es wirklich nicht viel ist, was die Kirche heutzutage von uns verlangt, und eigentlich auch erwarten darf. Immer häufigere und großzügigere Dispens-Erteilungen haben seit etwa einem Jahrhundert das gemeinsame, feierliche Fasten der Christen, zunichte gemacht. – Von der heiligen vierzigtägigen Fastenzeit blieb gerade noch ein dezimiertes Minimum von 2 Tagen übrig.

Wir wollen uns nicht kleinmütig nur an das heute Gebotene halten, allein an das Gesetz. Wir sind ja freie Menschen!

So wollen wir auch den Sinn für unsere heilige Tradition wach und lebendig erhalten. Es wird auch zweifellos im Laufe unserer vierzigtägigen Fastenzeit große Schätze zu entdecken und zu gewinnen geben. Wir werden dann erkennen, wie klug und wie gütig die Kirche ist, wenn sie uns diese Möglichkeit gibt – nicht alleine in der Einsamkeit sondern zusammen mit allen wahren Christen auf der ganzen Welt -, Sühne zu leisten für unsere Sünden. Werke der Busse zu verrichten. Die Seele gänzlich zu reinigen und mit dem Schmuck der Tugend auf die Feier der Osternacht vorzubereiten.

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Schon aber kommt der Widersacher mit seiner List: um uns der Früchte einer aufrichtigen Reue und Sühne zu berauben, bemüht er sich, uns die Qualen einer so langen, so strengen Bußübung vor Augen zu halten. Er versucht uns einzureden, dass wir das körperliche Fasten nicht aushalten können. Die Natur des Menschen sei heute viel zu schwach… man müsse stets vorsichtig sein und mit sich selbst Mitleid haben… und jede Art von manichäischen Körperfeindlichkeit sei zu vermeiden…

„Du hast Hunger”, sagte der Teufel zu Christus! „So befiehl doch, dass diese Steine Brot werden!“

All das ist Lüge! Lüge des bösen, abgestürzten Engels, der ja sowieso nichts weiß, weder was Essen noch was Fasten ist. Hätte er nur einen Körper, dann würde er sogar das ganze Jahr über fasten, um sich auf so leichte Weise von der Hölle zu befreien! Er beneidet uns Menschen!

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Dass das Fasten für den Leib – nicht nur für die Seele -, und somit für die Gesundheit allgemein eine große Rolle spielt, das können all diejenige bezeugen, die wochenlanges, ja monatelanges Fasten auf sich genommen haben, um etwa gegen eine schwere Krankheit zu kämpfen oder um sich von einem beklemmenden Körperzustande zu befreien. Wie viele Menschen fasten heutzutage aus gesundheitlichen Gründen, ganz abgesehen von sportlichen oder ästhetischen Gründen!

Wir finden ja in den uralten Tagesgebeten unserer Fasten-Liturgie manche Anspielungen in diesem Sinne. Das Fasten verleiht der Seele Flügel, um sich zu Gott zu erheben. Das Fasten gibt aber auch dem Körper eine Leichtigkeit und einen Frieden, die für die Gesundheit der gesamten Person nicht unterschätzt werden darf. Ein guter alter Pfarrer pflegte zu sagen, wenn die Fastenzeit heranrückte:

„Nun kommt endlich wieder der Arzt zu mir!“

Und überhaupt -, das, worauf wir in der Fastenzeit bereit sind zu verzichten, wird ja doch meistens nur von dem Überflüssigen gestrichen. Wie viele Menschen auf der Welt würden sich freuen, wenn sie an Festtagen eine kleine Hälfte von dem bekommen würden, was wir uns täglich in der Fastenzeit leichten Herzens gönnen!

Ist denn wirklich die Natur des Menschen heute um so viel schwächer geworden als früher?

Sind es nicht vielmehr die Seelen, ja unsere Seelen, die im Vergleich zu denen der Großeltern und Vorfahren schwankend, schwach und kleingläubig geworden sind?

Darum gilt es vor allem auch in erster Linie die Seelen zu stärken. Den Geist durch das Wort Gottes zu nähren. Die zutiefst verborgenen geistlichen Kräfte des Menschen zu wecken. Und das tut die Kirche, Tag für Tag, die ganze Fastenzeit hindurch. Sie will uns mit allen Mittel von der Vorzüglichkeit und Notwendigkeit des Fastens überzeugen. Motivation ist alles! Und die Motivation findet sich im Worte Gottes. Sei es in der Hl. Schrift oder in der Hl. Liturgie.

Es gibt jeden Tag in der Fastenzeit ein neues Proprium.

Also täglich ein neues Angebot von wunderschönen, lehrreichen Messtexten. Es wäre doch Schade und ein großer Verlust, darauf zu verzichten. Es wäre sogar gefährlich, langes Fasten auf uns zu nehmen, ohne mehr als gewöhnlich die Seele durch Gottes Wort zu stärken.

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Der erste Grund zum Fasten, der uns Christen einfällt, ist sicherlich, dass wir Sünder sind und so manches wieder gutzumachen haben.

Es gilt also, die Barmherzigkeit Christi anzuflehen, damit Er uns die Fehler und Nachlässigkeiten vergeben möge.

Fasten als Zeichen der Reue. Dieser Grund ist wohlbekannt.

Es gibt aber einen weiteren, einen ‚asketischen’ Grund: Askese heißt Übung, Schulung, Disziplin. Heute würde man sagen: Training. Es handelt sich also um das Wiederholen von bestimmten Handlungen, die ganz gezielt auf ein Ergebnis hingeordnet sind. Wir wollen ja nicht nur Lufthiebe machen, um ins Leere zu schlagen. Wir wollen auch nicht nur einmal oder ein paarmal gewinnen. Das wäre höchstens ein Wagnis, eine Herausforderung und Provokation, aber sicherlich kein ernsthaftes Training. Also keine Askese. Wir dürfen auch nicht mit Gewalt handeln, leidenschaftlich und übertrieben. Das würde uns zwar zu einem gewissen Ergebnis führen, aber nur für kurze Zeit. Und dann der Rückfall, und das wäre gefährlich. Wir aber wollen sichere Fortschritte erzielen. Nicht nur heute und morgen, sondern auf lange Sicht, mindestens bis Ostern!

Man möchte gerne hinzufügen: ein guter Fasten-Vorsatz ist der, der auch problemlos bis Aschermittwoch des nächsten Jahres gehalten werden kann, um dann mit Sicherheit einen Schritt vorwärts gekommen zu sein!

Askese ist also die Übung einer Tugend, bei der keine Bewegung, kein Energieaufwand dem Zufall überlassen wird. Sondern aus einer tiefen Überzeugung und klaren Erkenntnis der Lage ganz gezielt vorbereitet und vorgenommen wird. Also eine Strategie! Aber warum sich üben? Warum trainieren? Es gibt nur eine Antwort: „der Sieg! Um des Sieges willen!” Es gibt keinen Frieden ohne Sieg. Und es gibt keinen Sieg ohne Kampf!

Nun könnte jemand fragen: „Gegen wen kämpfen wir überhaupt, wer ist der Feind? Wo sind die gegenüberstehenden Mächte?”

In der Tradition der Kirche wurde darauf eine vielseitige und umfangreiche Antwort gegeben. Die heiligen Väter bevorzugten weitgehend eine Antwort. Zuerst intensiv studiert und diese dann mit Nachdruck gelehrt: wir kämpfen gegen ein Jemand. Eine Person.

Nicht eine Idee des Bösen, oder ein mehr oder weniger abstraktes Übel. Keine Illusion oder phantastische Gespensterfigur. Wir kämpfen gegen ein persönliches, zwar unsichtbares, aber dennoch sicher vorhandenes Wesen. Hinter dem sich alles Leid, aller Irrtum, Bosheit und Verderbnis verbirgt.

Es trägt einen Namen: Satan!

Er ist überaus intelligent, unwahrscheinlich schlau. Das Klügste aller Geschöpfe Gottes (Gn 2).

Aber mächtig ist er nicht.

Er kann nur soweit handeln als ihm erlaubt wird. Er kann nur dort hineinschlüpfen, wo man ihm auch die Türe aufmacht. „Er ist”, sagt Augustinus, „wie ein Hund an der Kette; wer sich beißen lässt, ist selber Schuld.” Mit anderen Worten: „Wer regelrecht ringt, wird nicht zu Fall kommen.”

In diesem Krieg sind wir nicht allein. Wir streiten mit der Hilfe Gottes, der Engel und aller Heiligen, und all unserer Mitchristen auf der Welt. Wir sind verantwortlich für unsere eigene Seele, aber auch für alle die uns lieb sind. Für die Kirche insgesamt. Es ist wie eine Seeschlacht. Wenn wir gemeinsam tapfer kämpfen, so werden wir die Dämonen ins Meer stoßen. Andernfalls werden wir selbst ins Wasser geschleudert. Und darum kommt die Hl. Liturgie der Fastenzeit öfters darauf zurück, dass wir nicht allein gegen uns selbst oder gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu streiten haben, sondern gegen Mächte und Gewalten der Finsternis, gegen die bösen Geister die in der Welt umherschweifen (Eph 6,12). Und dazu sind eben Waffenrüstung und Übung notwendig, so wie sie der hl. Paulus in seinem Epheserbrief erwähnt.

Immer wieder zeigt sich die List des Widersachers und seiner Einreden: „Warum denn fasten? So schlimme Sünder sind wir ja auch wieder nicht… eine bloß innerliche Buße würde doch auch reichen… heißt es denn nicht in der Hl. Schrift: ‚Eure Herzen sollt ihr zerreißen, nicht aber eure Kleider!’ Es gibt auch sicherlich andere Buswerke zu verrichten. Sinnvolleres, als dieses banale Verzichten auf Nahrung! Gibt es denn nicht jeden Tag schon genug an so vielen Widerlichkeiten zu erdulden?“

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Doch der Christ hat einen besonderen Grund, einen ‚mystischen’ Grund, nicht zur Buße allgemein, sondern speziell zum Fasten: – die Abwesenheit des Herrn.

Da kamen die Juden zu Jesus und fragten: „Warum fasten wir Jünger des Johannes und der Pharisäer, während deine Jünger nicht fasten?“ Jesus erwiderte ihnen: „Wie können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen weilt? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam ihnen entrissen wird. An jenen Tagen werden sie fasten.“ (Mk. 2, 19-20)

Diese Worte aus dem Evangelium sind genau die Antwort auf unsere Frage nach dem Sinn des Fastens in der Kirche. Als Christus unter seinen Jüngern hier auf Erden anwesend war, da konnten sie nicht fasten. Und dies, bis zur Himmelfahrt des Herrn. Danach erinnerten sich die Apostel, dass Jesus diese Worte gesprochen hatte, und setzten viele Fasttage ein. In der Antike, mindestens bis zum 7.Jh., fastete man jeden Mittwoch und jeden Freitag des Jahres als Andenken an die Passion, an die Leiden des Erlösers. Dann auch besonders einige Zeit vor dem Osterfest bis zu Karsamstag, dem Gedenktag des Abstiegs Christi in die Unterwelt, an dem das Fasten komplett, d.h. den ganzen Tag eingehalten wurde. Heute werden allzu oft die Feierlichkeiten der Auferstehung schon etwas vorweggenommen. Doch Gregor der Große erzählt, dass zu seiner Zeit sogar die Kinder am Karsamstag nicht essen wollten… weil der Herr nicht da ist. Es gibt auch keine Messe an diesem Tag: denn der Herr ruht im Grabe (großer Ruhetag). Hingegen ist es absolut verboten, am Sonntag zu fasten. Zur Ehre des glorreichen Auferstandenen, der gesagt hat:

„Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.”

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Heute ist Christus sowohl anwesend als auch abwesend.

Er ist anwesend in der Eucharistie. Er ist unter uns anwesend durch das Gebet der Kirche. Er ist in uns anwesend durch seine Gnade.

Und dennoch ist er auch wirklich abwesend, solange er ja für uns unsichtbar ist. Immer schweigend. Immer verborgen. Nur durch den Glauben erkennbar. Ganz fremd für unsere materielle, fassbare Welt. Darum fasten wir. Wie könnten wir auch feiern, essen und trinken und uns freuen, wenn Er nicht da ist? Wir sehnen uns nach Christus. Unsere Liebe will Ihn sehen! Will mit Ihm sein! Wir warten mit Sehnsucht auf den Tag, an welchem wir für immer in den Hochzeitsaal des Himmelreiches eintreten werden, wie er es uns ja versprochen hat:

„Ich vermache euch das Reich meines Vaters. Dort werdet ihr an meinem Tisch essen und trinken, auf Thronen sitzen und die Stämme Israels richten. Wahrlich ich sage euch, nicht mehr werde ich von der Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, da ich es neu trinken werde, mit euch in meinem Reiche.” (Lk. 22, 29-30; Mk. 14, 25)

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Also – Sehnsucht, Reue, Übung. Dies sind unsere Motive zu so allerlei Werken der Buße, insbesondere des Fastens. – Und der Herr geht uns voran, mit väterlicher Liebe…

Quelle: Skita Patrum

SKITA PATRUM,   Le Bourg,   FR – 15150 SAINT-VICTOR

 

Säulenmönche

Auch heute noch ziehen sich Mönche zurück um ganz in der Einsamkeit für Gott zu leben.

Der Mönch Vater Maxime ersteigt den Felsen, die Säule, seiner Einsiedelei in Georgien. Der Alte muss wie seine Mönchsbrüder diesen etwa 20 Minütigen steilen Aufstieg auf dieser „Himmelsleiter“ mutig angehen. Sobald ein Mönch zu alt ist und zu schwach ist, um den Aufstieg zur Säule zu schaffen, wird er oben bleiben müssen, bis er stirbt.

Das Essen und andere Gebrauchswaren werden Vater Maxime und den wenigen Mönchen dort oben durch eine kleine Lastenseilbahn gebracht.

Vater Maxime beim Aufstieg seiner Säule
Vater Maxime beim Aufstieg seiner Säule

Hier zu weiteren eindrucksvollen Fotos und Berichten:

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Leidenschaftslosigkeit

Der Asket ist ein Gottsucher, – und für die Menschen ein Zeuge von Gottes barmherziger Liebe an uns schwachen Menschen.

Den Mönch leiten nicht mehr körperliche und geistige Motive; angestrebt wird die Apatheia, die Leidenschaftslosigkeit.

Die Apatheia zu erlangen, ist ein weiter Weg und ein gewaltiger Kampf gegen sich selbst und gegen alle anderen Versuchungen und Täuschungen, denen auch der Mönch verfallen kann.

Es geht um die endgültige, letzte Entscheidung: Christus oder der Teufel!

Die Werkzeuge auf diesem Weg sind – das Schweigen, das Gebet, die Handarbeit, das Fasten, die Nachtwachen und die Keuschheit.

Die Wüste als blühender, heilender Garten

Die Wüste galt als ein gefährlicher, feindseliger, ja furchterregender Bereich des Todes. Die Asketen -die Mönche- schufen durch ihre eigene Umkehr auch eine Umkehr in ihren Vorstellungen. Durch ihre Mühen im alltäglichen Kampf gegen die Versuchungen und durch die Tränen der Buße begann die Wüste zu einem blühenden Garten der Heilung zu werden.