Bild und Gleichnis Gottes

Nach dem Bild (Gottes) wird jeder Mensch genannt infolge der Würde des Geistes und der Seele, d. h. ihrer Unfaßbarkeit, Unsichtbarkeit, Unsterblichkeit- und Eigenmächtigkeit; ja gewiß auch infolge ihrer Eigenschaft zu herrschen, Kinder zu zeugen und Gebäude zu errichten.

Nach dem Gleichnis (Gottes) hingegen (wird der Mensch genannt) hinsichtlich der Tugend und der entsprechenden nach Gott benannten und gottähnlichen Handlungen; d. h. wenn er dem Verwandten gegenüber menschenfreundlich gesinnt ist, den Mitknecht bemitleidet, sich seiner erbarmt und ihn liebt und jegliches Erbarmen und Mitleid an den Tag legt. „Werdet barmherzig,“ spricht ja Christus, unser Gott, „wie auch euer himmlischer Vater barmherzig ist.“

Die (Gottes-)Ebenbildlichkeit besitzt zwar jeder Mensch; sind doch die Gnadengaben Gottes unwiderruflich. Die Gleichnishaftigkeit (Gottes) aber haben nur wenige, und zwar allein die Tugendhaften und Heiligen sowie jene, die die Güte Gottes nachahmen, soweit es Menschen möglich ist.

Mögen auch wir seiner über alle Maßen guten Menschenliebe gewürdigt werden, nachdem wir ihm wohlgefällig waren durch verdienstliches Handeln und Nachahmer derer geworden sind, die seit undenklichen Zeiten Christus wohlgefällig gewesen. Denn sein ist das Erbarmen und ihm gebührt jeder Ruhm, jede Ehre und Anbetung mit seinem ursprungslosen Vater und seinem Allheiligen, guten und lebenspendenden Geist, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.

(Johannes von Damaskus, Abhandlung, 17)

 

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